„Es ist ein bisschen wie Prostitution“

Auf’n Korn mit… Michael Werner (Büdchen am Westerberg)

„Es ist ein bisschen wie Prostitution“

Es ist Donnerstagmorgen und Michael Werner hatte durch „Live im Grünen“ am Vorabend eine sehr kurze Nacht. Und dennoch ist er zum Interview am Start – nicht nur physisch, sondern auch geistig hellwach. Seit 2001 betreibt er das Büdchen am Westerberg. Die Frage nach seinem Erfolgsgeheimnis ist überflüssig – denn die Antwort steht direkt hinter dem Tresen. Individualgastronomie at its best im grünen Herzen von Osnabrück.

Erst Kriegsbaracke, dann Kleingärtner-Vereinshaus, mittlerweile eine einzigartige Outdoor-Location in unserer Stadt: Das Büdchen am Westerberg hat schon so einiges hinter sich. Übernommen hat Michael Werner es mit seiner Frau allein aus Bauchgefühl. Das Konzept funktioniert, weil er immer vor Ort ist: „Ich komme aus der Werbung und war da ziemlich unglücklich mit. Ich kann nicht verkaufen, aber ich kann mich verkaufen. Es ist ein bisschen wie Prostitution.“
In den 18 Jahren Selbstvermarktung hat sich einiges getan: Ein Taxifahrer sagte über das Büdchen früher immer „Wo reiche Leute billig saufen“ – einfaches und minimalistisches Angebot, ein Publikum, das nach Feierabend über die Geschäfte spricht.

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die Nachbarn hat Werner, „Letztendlich kann ich es nur mit und nicht gegen die Nachbarn machen. Ganz ohne Stress wird es aber wohl nie gehen – man kann die Leute nicht waschen ohne sie nass zu machen“ Tiefenentspannt für so eine prekäre Situation. Generell haben ihn die Jahre in der Gastro gelassener gemacht. Nach außen wirke er sowieso immer ruhig und cool. Tatsächlich ist er aber noch bei jeder Bühnenansprache aufgeregt – seine persönlichen Befindlichkeiten stellt er im Büdchen aber ganz hinten an: „Das gehört hier nicht hin. Die Gäste wiederum dürfen ihre Probleme hier abladen, das ist im Bierpreis enthalten.“

 

Ähnliche Vorwürfe gab es auch bei „Live im Grünen“ – Verständnis für

Die selbstständige Gastronomie gehöre zu den ungesündesten Berufen, die man ausüben kann, erzählt Werner, aber sie gebe auch so viel zurück.

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„Das rührt und das werde ich auch niemals vergessen.“ Bauchmensch eben. Wenn man ihm so zuhört, kann man sich nicht vorstellen, dass er jemals in die Werbebranche zurückkehrt und hier seine Berufung gefunden hat. „Das ist mein Baby hier und wenn man mir das wegnehmen

will, muss man mir das aus den kalten Händen schneiden. Es klingt ein bisschen pathetisch, aber eigentlich habe ich vor hier zu sterben.“ Er ergänzt noch mit dem wernerschen Humor „…aber auch, weil ich nicht davon ausgehe, dass ich sonderlich alt werde.“ Wir freuen uns auf die nächsten 10,15 Jahre im Büdchen!

 

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