Feine Sahne Fischfilet im Promi-Talk

„Manche Leute hassen uns einfach“

Laut, derbe und politisch. Mit „Sturm & Dreck“ ist die Punk-Rock Band Feine Sahne Fischfilet ab November, unter anderem auch in Lingen (30.11.) und Oldenburg (14.12), wieder auf Deutschland-Tour. Bassist Kai Irrgang spricht im Interview über politische Verantwortung von Künstlern, Rechtsextremismus, Hass und Heimat.

 

THE NEW INSIDER: Ende November geht es wieder los auf Tour, die Pause habt ihr nach den ganzen Festivals bestimmt gebraucht, oder?

Kai (Feine Sahne Fischfilet): Wir mussten leider eine kleine Sommerpause einlegen, da Christoph sich den Ellenbogen ausgekugelt hatte. Von daher sind wir eher ausgeruht und heiß darauf wieder auf die Bühne zu gehen.

Ihr füllt inzwischen schon einige sehr große Hallen mit euren Konzerten. Wann hast du festgestellt was für Ausmaße eure Musikkarriere inzwischen angenommen hat?

Das Ausmaß ist mir erst klargeworden, als ich letztes Jahr meinen Job gekündigt habe, weil ich von dem Geld aus den Konzerten leben konnte. Ich hatte mein Hobby zum Beruf gemacht. Das war schon krass.

In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es nur wenig Bands, die sich so wie ihr politisch engagieren und klare Kante zeigen. Ihr trefft damit auf viel Akzeptanz, aber auch auf viel Gegenwind. Wünscht man sich da manchmal ein bisschen mehr Ruhe?

Ja klar, es wäre schon geil, gar nicht so oft die Fresse aufreißen zu müssen. Man wünscht sich generell stärkeres politisches Engagement von Bands und Künstlern, sodass man selbst ein bisschen kürzertreten kann. Aber so ist es leider nicht, obwohl sich inzwischen mehr Bands klar politisch positionieren als früher.

Ihr Jungs kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, engagiert ihr euch verstärkt dort oder ist euer Blick eher auf ganz Deutschland gerichtet?

Wir sind halt alle in der ostdeutschen Provinz aufgewachsen. Wir leben heute noch hier und wollen auch unsere Zukunft hier verbringen. Unsere Heimat liegt uns natürlich am Herzen und darum gilt ihr auch unser Hauptengagement.

Ihr bekommt inzwischen wesentlich mehr Anfragen soziale Projekte zu unterstützen, wie entscheidet ihr euch, wen ihr am Ende unterstützt?

Ja, täglich. Wir können aber leider nicht allen gerecht werden, da sonst die Musik auf der Strecke bleiben würde. Wir unterstützen daher sehr viele Projekte von Leuten, die wir persönlich kennen. Diese begleiten uns dann und wir binden sie und ihre Projekte in unsere Tour ein.

Denkst du, dass der Dokumentarfilm „Wildes Herz“ die allgemeine Wahrnehmung von Feine Sahne Fischfilet verändert hat und die Leute euer Anliegen jetzt besser verstehen?

Der Film hat auf jeden Fall eine ganz andere Gruppe von Leuten erreicht, die mit Punk-Rock sonst nichts anfangen kann. Ältere Leute die unsere Musik schrecklich finden und niemals auf ein Konzert von uns gehen würden, haben durch den Streifen eine völlig andere Perspektive auf uns.

Trotzdem habt ihr immer wieder mit Missverständnissen zu kämpfen, das ist aber manchmal auch gewollt, oder?

Ich weiß gar nicht ob das Missverständnisse sind. Manche Leute hassen uns einfach und wollen uns nur ankacken. Wir haben gelernt damit umzugehen. Man kann nicht von allen gemocht werden und es wäre auch kein gutes Zeichen für uns, wenn es so wäre. Von daher ist das schon in Ordnung.

 

Hattet ihr zeitweise schon Angst um eure persönliche Sicherheit oder ist es bisher nur bei halbherzigen Drohungen geblieben?

Hatten wir durchaus. Vor allem in der Jugend. Wir fingen an Punk zu hören und deshalb wollten uns junge Nazis eine auf die Fresse hauen. Wir mussten uns den Stress nicht suchen. Heute ist Sicherheit auch noch ein wichtiges Thema, gerade bei den Konzerten. Auch auf der Straße erkennen einen Leute, die uns nicht so freundlich gegenüberstehen. Gehört halt zum Berufsrisiko.

Habt ihr schon Pläne wie es nach der Tour weitergehen soll?

Noch nichts Hundertprozentiges. Wir wollen erstmal die Tour durchziehen und dann sehen wir weiter. Aber die Stimmung ist gut. Wir werden in den Proberaum gehen und einfach Musik machen, mal gucken was daraus wird. Wir freuen uns schon drauf.

Neben euren Touren habt ihr seit 2016 noch euer eigenes Festival „Wasted in Jarmen“. Wie hat sich das Festival entwickelt?

Entstanden ist das Ganze aus unserer Kampagne „Noch nicht komplett im Arsch“ zur Landtagswahl 2016. Da haben wir am Abend vor der Wahl ein Open-Air-Konzert als Abschluss für die Kampagne gegeben. Die Leute sind von überall hergekommen und es war wie ein riesiges Happening. Das fanden wir so gut, dass wir gesagt haben: „Da machen wir ein Festival raus“. Für mich persönlich ist es das Jahres-Highlight. Da erinnert man sich wieder, wofür man das alles macht.