Auf’n Korn mit… Roy Wischmeyer

„Es läuft, weil ich meinem Stil treu geblieben bin.“

Das Countdown gibt es seit über 21 Jahren in der Osnabrücker Lohstraße und die Kneipe ist so verrückt und skurril wie der Betreiber selbst. Roy Wischmeyer will nicht als Gesicht des Countdown gelten und hat sich schon ein paar Jahre nach der Eröffnung aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen – dennoch stecken seine Persönlichkeit und Seele in der Kneipe wie selten in anderen Schankwirtschaften. Fazit nach unserem Interviewtermin: Was ne Type!

Nackte Puppen unter der Decke, Telefone mit denen man von Tisch zu Tisch telefonieren kann und die ganz klare Ansage: Gröhlende Fußballfans, auf Krawall gebürstete Menschen und Leute mit über drei Promille haben keinen Einlass. Das Countdown ist eine der spezielleren Locations in der Osnabrücker Kneipenlandschaft. Wer jedoch denkt, dass die sich stetig weiterentwickelnde Deko schon unkonventionell ist, dem wird beim Lesen der Entstehungsgeschichte die Kinnlade runterfallen.
Mit 15 begann Wischmeyer die Schrecksekundentest-Automaten für Gastronomien zu bauen, die man heute u.a. auch noch im Grünen Jäger findet. Fensterputzer war er, hat eine Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsbauer gemacht und mit einem Kumpel einen Brötchenservice geführt.

Wem’s nicht gefällt, muss woanders hingehen.  

Begonnen hat Roy in der Lohstraße mit in einer völlig leeren Betonhalle ohne Decken und Wände. Gedacht war der Standort für seinen damaligen Brötchenservice; eine Kneipe wollte er nur nebenbei betreiben. Als der Brötchenservice nicht mehr lief, musste mit der Kneipenidee alles relativ schnell gehen – Logo von den Automaten genommen, daher der Name Countdown, Halle ausgebaut, Theke rein, ab dafür. „Ich wollte mich unbedingt selbstständig machen. Spätestens mit der Kneipe musste es klappen, damit Geld reinkommt.“, blickt der Inhaber heute zurück. Zu Beginn war wenig los in dieser Ecke der Stadt und trotz Geldnot war es Roy von Anfang an wichtig, dass das richtige Publikum in das Countdown kommt: „Es ist viel Glück gewesen, dass das hier so läuft. Ich hab‘ mir aber auch niemals meinen Stil versauen lassen. Als ich anfangs mit ein paar Stammgästen kämpfen musste, wollten die Schlager hören. Da hab ich gesagt, dass sie dafür woanders hingehen müssen, auch wenn sie die einzigen im Laden waren – die sind dann gegangen, dafür sind aber auch andere gekommen.“ Auf die Frage, was denn genau sein Stil ist, hat Wischmeyer eigentlich nur eine Antwort: „Naja, Hauptsache ausgefallen.“ Das Konzept des Countdowns: Alles, was Roy gefällt. Und dennoch lässt er lieber andere seinen Laden repräsentieren, arbeitet mit vielen schon jahrelang zusammen, vertraut ihnen, lässt sie hinter der Theke auch trinken – mittlerweile eine Seltenheit in der Gastronomie.

Vom Brötchenservice zur Kneipe

Eine Anekdote, an die sich Roy erinnert als er noch selbst am Tresen stand: Ein englischer Soldat duschte auf dem Klo der Kneipe während des Barbetriebs und stand eine gute Viertelstunde nackt draußen, da der Türöffner zum Feierabend hin bereits aktiviert war. Andere Gäste fragten schon einmal an, ob Sie in einem Bereich der Kneipe Nacktfotos machen dürften – auch da hatte Wischmeyer keinerlei Einwände. Reichlich verrückte Szenen mit einem extrem entspannten Betreiber. Man hat das Gefühl, dass er für so einige Späße zu haben ist, merkt ihm die Lebensfreude und den Schelm im Nacken förmlich an. Auch mit 54 geht er regelmäßig feiern (am liebsten ins Holy Poly, Grüße an der Stelle!) und blickt auf die Dinge nicht nur aus der Geschäfts-, sondern auch aus der Besucherperspektive. Vermutlich ist dadurch das Countdown zum ausgefallenen Wohnzimmer für viele geworden –es darf nicht langweilig werden, es entwickelt sich immer weiter. Jeder Mitarbeiter darf Deko-Ideen einwerfen, viele wurden bereits umgesetzt. Der neueste Gag: Drei Kopfhörer an der Theke mit denen man alleine Musik hören kann. Manchmal will man sich halt nicht unterhalten. Wer das nicht versteht, ist im Countdown wohlmöglich nicht gut aufgehoben. Im Zweifelsfall will Wischmeyer Menschen ohne den nötigen speziellen Humor ohnehin nicht da haben und setzt weiterhin auf die, die einfach anders sind. Wir finden’s toll und gönnen ihm die erfolgreiche Selbstständigkeit nach so vielen Anläufen in verschiedensten Berufsfeldern. Roy Wischmeyer zeigt wie kein Zweiter, dass es sich auch lohnen kann, sich nicht anzupassen.