DIE GRÖßTEN GEWINNER DER SENSATIONELLEN VfL-HINSERIE

Historisches Hoch
Die größten Gewinner der sensationellen VfL-Hinserie

Egal, ob man schon seit zig Jahrzehnten oder erst seit wenigen Jahren zur Bremer Brücke geht: An ein ähnlich spektakuläres sportliches Hoch wie das aktuelle kann sich nahezu niemand erinnern. Optimisten würden behaupten: Der VfL klopft an die Tür zur Bundesliga. Doch selbst absolute Pessimisten müssen eingestehen: Dieses Team dürfte im Normalfall mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben.

Droht der Größenwahn?

Und vielleicht liegt darin die einzige Gefahr rund um Osnabrücks Zweitliga-Profis. Die Protagonisten selbst werden kaum überdrehen, doch das leicht entflammbare Umfeld des Provinzclubs birgt eben jene Gefahr. Plötzlich sonnen sich auch all jene wieder im Glanz des VfL, die ihn zuvor stets belächelt hatten. Sponsoren stehen Schlange, Tickets sind heißbegehrt, Mitgliedschaften werden abgeschlossen, um überhaupt noch eine Chance zu haben bei Topspielen live dabei sein zu können. Das alles zeigt: Osnabrück giert nach Spitzensport, eine ganze Region wartete sehnsüchtig auf einen solchen Boom. Jetzt, wo er da ist, droht der Größenwahn. Doch das soll nicht die Sorge von Cheftrainer Daniel Thioune sein, der als Vater des Erfolgs andere Baustellen bearbeitet. Doch wer sind die größten Gewinner des Höhenflugs? Und wer droht im Strudel unterzugehen? Eine TNI-Analyse.

Neue Shootingstars, Nationalspieler und Routiniers

Wenn es um die größten Gewinner aus sportlicher Sicht geht, dürfen zwei Namen nicht fehlen: Philipp Kühn und Moritz Heyer. Zwei Spieler, denen vor der Saison kaum jemand derartige Einsatzzeiten und Leistungsexplosionen zugetraut hätte. Kühn war klar die Nummer 2 im Tor. Er profitierte von der langwierigen Verletzung von Stammkeeper Nils Körber – und nutzte seine Chance umgehend. „Kühn, Kühn, Kühn“-Rufe aus der Ostkurve sind längst zum Standard nach Glanzparaden geworden. Ebenso überraschend schnell ging der Stern von Allrounder Moritz Heyer auf. Defensiv wie offensiv setzte der 24-Jährige Akzente, spielte fast immer 90 Minuten durch und erzielte bereits drei eigene Tore. Höhepunkt: sein Doppelpack in Regensburg (Endstand 3:3). Gar bis zum U21-Nationalspieler avancierte Felix Agu, der seinen Marktwert seit Anfang 2019 nahezu verzehnfacht hat. Denn: derart starke Außenverteidiger sind rar im deutschen Profifußball, erstrecht solch hochveranlagte im jungen Alter von 20 Jahren. Bereits fünf Assists stehen in Agus Hinserien-Statistik. Auch „Fußballgott“ Marcos Alvarez hat es wieder einmal sämtlichen Kritikern gezeigt: nach leichten Anlaufschwierigkeiten in der Vorbereitung und der üblichen Debatte um seinen Fitnesszustand, lief die Tormaschine des Edeltechnikers schnell heiß. Bereits acht Mal netzte „Alva“ in der Liga ein, dazu einmal im DFB-Pokal gegen RB Leipzig. Nur sechs Spieler in der 2. Liga waren bislang noch erfolgreicher. Ebenso hervorzuheben ist der sportliche Wert von Mittelfeldmotor David Blacha. Der Deutsch-Pole sieht nicht nur Räume, wo eigentlich keine sind, sondern ist auch als Taktgeber und Leader unverzichtbar. Talente wie Agu, Amenyido und Schmidt orientieren sich an Routinier „Blacho“, der aus dem „System Thioune“ nicht wegzudenken ist.

Die Verlierer der Hinserie

Weniger zu lachen hatten in der Hinserie in erster Linie die langverletzten Aufstiegshelden Nils Körber (Hüftverletzung), Maurice Trapp (Rücken) und Konstantin Engel (Schien- & Wadenbeinfraktur) sowie Sebastian Klaas, der zwar mehrere Anläufe startete, jedoch nie richtig in Tritt kam. Sportlich keine tragende Rolle spielten zudem Thomas Konrad, Manuel Farrona Pulido, Kevin Friesenbichler, Nico Granatowski und Benjamin Girth, die sich allesamt mehr von dieser Hinrunde versprochen haben dürften.