Sportlicher Ehrgeiz meets Gastro

Aufn Korn mit… Rainer Knopp

Man nehme einen Profi-Fußballer, einen Industriekaufmann, einen Gastro-Quereinsteiger, Leidenschaft für Basketball, einen Verfechter seiner Heimatstadt und absoluten Familienmenschen. Dabei kommt keine gesellige Runde mehrerer Menschen mit verschiedensten Ansichten und Meinungen heraus, sondern genau ein unverwechselbares Osnabrücker Original: Rainer Knopp, Betreiber der Marktschänke und Joe Enochs Sportsbar.

Angefangen hat alles mit der Tennishalle in Lüstringen. Dort hat Rainer Knopp die Gastronomie mit dem ehemaligen Tennisprofi Helmut Beermann übernommen – kurz nachdem er beim VfL ausgestiegen ist. Den Abstieg in die 3. Liga konnte er nicht mit seinem Ehrgeiz vereinbaren. Ohnehin haben ihm viele Dinge seitens des Präsidiums nicht gefallen. Seien es die großen Gehaltsunterschiede innerhalb der Mannschaft oder die Ansagen, mit wem man am besten seine Freizeit verbringen könne. Knopp hat einen klaren Cut gemacht – immer war es sein großer Traum Fußballprofi zu werden, unter den Umständen hat er aber lieber aufgehört. Das Projekt mit Beermann war eher eine Art Übergangslösung in dieser Zeit. Daraus ist die Übernahme der Marktschänke gewachsen, sein Engagement im Plan B und der Ollen Use sowie die Sportsbar mit seinem guten Freund Joe Enochs, der sich dort mittlerweile rausgezogen hat. In der Retrospektive kann er sich keinen besseren Job für sich vorstellen; auch wenn er schon öfter an’s Aufhören gedacht hat.

Früher fuhr man mit 1,3 Promille nach der Kneipe nach Hause

Sei es wegen ungerechter Behandlung durch das Finanzamt oder die immer komplizierteren Auflagen und Umstände, denen sich Gastronomen stellen müssen: „Als ich anfing, durfte man noch bis zu 1,3 Promille im Straßenverkehr haben, das Parken auf dem Domhof hat 50 Pfennig gekostet und das Verbraucherverhalten war ein ganz anderes. Die Prioritäten haben sich verschoben“, erinnert sich Knopp. „Und ich persönlich kenne keinen Kneipengastronomen, Friseur oder Taxifahrer, der mit 60 in den Vorruhestand gehen kann, weil er genug verdient hat. Man wird vom Staat geächtet, weil man an das Geld der Großen nicht rankommt.“
Ein ausgiebiges Gespräch mit ihm hat etwas Lehrreiches und regt zugleich zum Nachdenken an. Rainer Knopp hat einen wirklich guten Blick auf die Dinge, die um uns herum passieren. Sich selbst ordnet er hingegen ein wenig zu nüchtern ein. Auf die Frage, ob er sich als gastronomische Größe in Osnabrück sieht, antwortet er: „So’n Scheiß kann ich nicht ab. Ich bin ein Mensch mit zwei Läden. Fertig.“ Ein Mensch, dem Leistungsorientierung sehr wichtig ist – nicht nur bei sich selbst, wenn er Tag für Tag in seinen Locations arbeitet, nur drei Tage im Jahr schließt oder auch mal 28 Tage lang je 17 Stunden auf dem Weihnachtsmarkt ackert. Auch seinen Töchtern hat er diesen sportlichen Spirit vermittelt – mit Erfolg: Die Jüngere, Melli, ist Kapitänin der GiroLive Panthers in der Frauen-Basketball-Bundesliga. Ihre Schwester Esther war ebenfalls begeisterte Basketballerin und hat sich selbstständig gemacht. „Im Sport haben sie wichtige Werte wie Pünktlichkeit, Teamgedanken und Durchhaltvermögen gelernt und sind deswegen sehr einfache, bodenständige Kinder gewesen“, ist der Gastronom überzeugt.

„Kultur besteht aus Geschichten, die das Leben schreibt.“

Auch wenn der Sport keine tragende Rolle mehr im Job einnimmt, so engagiert er sich seit 10 Jahren aktiv für die Panthers und ist im Sponsoring tätig. Freunde aus VfL-Zeiten wie Lothar Gans, Rolf Meyer oder auch Daniel Thioune trifft er vor allem abseits des Stadions. Wenn der VfL spielt, hat er in der Sportsbar schließlich genug zu tun und Spiele von Mellis Mannschaft ziehe er ohnehin stets vor – das wisse eben auch jeder. Knopp ist ein Mann der klaren Worte mit einer ebenso klaren Linie und dennoch ein großer Sympath. Ein Spagat, der vielen Menschen nicht gelingt. 
Kaum einer ist mit seiner Heimat so tief verwurzelt und gibt alles, dass sie weiterhin attraktiv bleibt. Die Gründung von Altstadt Live und die Teilnahme am Hasestraßenfest, obwohl es sich wirtschaftlich nicht lohnt, sind Beispiele für die proaktive Erhaltung der Osnabrücker Kneipenkultur. „Kultur ist nicht Theater oder sich eine Oper anhören, sondern Kultur besteht aus Geschichten, die das Leben schreibt. Das ist ja hier jeden Tag wie in einer Soap und diese Kneipenkultur darf nicht zerstört werden.“ Man hört den sportlichen Ehrgeiz heraus, der in jedem seiner Gedanken mitschwingt und ohne den er vermutlich nicht bereits im 34. Marktschänken-Jahr wäre. Im nächsten Jahr gibt es dann wieder zwei Gründe zum Feiern: Der 60. Geburtstag des Kneipiers und 35 Jahre Marktschänke: Damit ist Rainer Knopp vermutlich der am längsten aktive Altstadtwirt in unserer Stadt. Und darauf kann man schon mehr als stolz sein – auch wenn man „nur ein Mensch mit zwei Läden“ ist.