„Nach diesem Album ist Schluss“

Max Gruber von Drangsal im TNI-Promitalk

In der Pfalz ist „Zores“ ein gängiger Ausdruck: Eine Gruppe Asozialer, ein Streit, die Wut. So hieß das zweite Studioalbum von Max Gruber oder besser gesagt Drangsal, der diesen Begriff zu gut kennt. Die Platte ist drastischer, poppiger, unverschämter geworden – bald können Fans neue Musik vom Ausnahmekünstler erwarten. Am 18. April tritt die Band auf dem Osnabrücker Popsalon-Festival auf. Wir sprachen exklusiv mit einem Musiker, wie ihn dieses Land schon seit … ja, wie lange eigentlich schon? … nicht mehr hatte.

THE NEW INSIDER: Euer letztes Album ist im April 2018 erschienen. Wie weit seid ihr schon mit eurer neuen Platte?

Max Gruber: Ich würde sagen, dass der Kern des Albums steht. Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich weiß, welcher Track ist gut, welcher nicht. Wir werden im März das Studio betreten und die finalen Versionen in Stein meißeln. Ich persönlich würde mir wünschen, dass es dieses Jahr schon das erste Lebenszeichen vom neuen Album gibt.

Und wie geht es danach weiter?

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mit Drangsal erstmal drei Alben mache – und dann sehen wir weiter. Ich habe schon ein paar andere, nicht nur musikalische, Projekte im Visier.

Singst du lieber auf Deutsch oder Englisch?

Das hat nichts damit zu tun was ich lieber mache, sondern eher wie es kommt. Ich mag beide Sprachen. Wenn ich Songs schreibe, kommt erst die Musik. Erst dann weiß ich in welcher Sprache ich dazu singe.


Denkst du die Menschen sind bei deutschen Texten kritischer?

Den Eindruck habe ich in der Tat. Mir ist aufgefallen, dass der Fokus bei den Kritiken der zweiten Platte seitens der Fans viel stärker auf den Texten lag. Der „gemeine“ deutsche Zuhörer schaltet bei englischen Texten eher ab und begreift diesen als Teil der Musik. Bei deutschen Texten ist einfach dieses grundsätzliche Sprachverständnis da.

Gibt es einen Song, der dich im Nachhinein richtig nervt?

Ein Song ist für mich im Prinzip erledigt, sobald er rauskommt. Meistens schon vorher. Das einzig Aufregende ist dann die Resonanz der Hörer. Die Zeit zeigt erst, wie gut die Dinge wirklich sind. Ich persönlich bin der Meinung, dass „Harieschaim“ ein fürchterlich schlechtes Album ist. (lacht)

Welches Musikgenre würdest du am liebsten aus der Welt verbannen?

Ich habe immer das Gefühl, dass ich zu viel meiner Zeit damit zugebracht habe, andere Sachen abzuwerten. Musik, die jemandem Freude bereitet, kann an sich nicht schlecht sein. Ich höre zum Beispiel auch gerne alte Songs von Tic Tac Toe, obwohl das nicht mein Genre ist. Das einzige, was mir spontan einfällt, ist Rechts-Rock.

2018 hattest du gemeinsam mit Rapper Casper den Podcast „Mit Verachtung“. Die letzte Folge ist am 11.11.2018 erschienen – warum ist das Projekt eingeschlafen?

Ich weiß es nicht, da müsst ihr am besten ihn fragen. Es gab mal Pläne den Podcast weiterzuführen, es ist auch fast passiert. Wir haben uns nicht gestritten oder so. Vor ein paar Tagen erst waren wir gemeinsam auf einem Slipknot-Konzert. Es hat sich einfach nicht ergeben und wir haben keinen Zeitpunkt gefunden, das Projekt wieder aufzunehmen.

Wie würdest du eure Freundschaft beschreiben?

Casper ist ein extrem fairer, treuer und lustiger Mensch, der immer erst an andere denkt. Er ist stets erpicht anderen Leuten aus ihrer Krise zu helfen. Wirklich selbstlos und verdammt talentiert. Ich will ihn als Menschen in meinem Leben nicht missen und mir ist auch immer wichtig, was er von meiner Musik hält. Er ist einer der wenigen, dem ich Demos vorher zuschicke und um eine ehrliche Resonanz bitte. Wie würde ich die Freundschaft beschreiben? Gut. Fünf Sterne, gerne wieder.

 

 

Was tust du, wenn du eine Schreibblockade hast?

Ich habe das Gefühl, dass dieses schwarze Loch, in das ich vor jedem neuen Album falle, tiefer wird und das Rausklettern immer schwieriger. Dieses Mal hatte ich eine ganz lange Phase in der ich in Selbstmitleid und Selbsthass versunken bin.

Und was machst du dagegen?

Ich habe zwei neue Bands gegründet und mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ich versuche auch immer wieder über meinen eigenen Schatten zu springen und mich aufzuraffen. Es ist eher die Unfähigkeit Dinge fertigzumachen als eine Schreibblockade.

Im April trittst du auf dem Popsalon-Festival in Osnabrück auf. Hast du einen Bezug zu unserer Friedensstadt?

Ich war noch nie in Osnabrück, aber ein Freund von mir hat da gewohnt. Und er hat sie immer Osnabrooklyn genannt. (lacht) Ich freue mich voll, weil ich das Line-Up total gut finde.

Wofür hättest du in deiner Freizeit gerne mehr Zeit?

Oh, ich habe so viel Zeit. (lacht) Ich bin großer Wrestling-Fan. Das ist mein großes Hobby abseits der Musik. Ansonsten lese ich viel und sammele Band-T-Shirts.

Wie viele sind in deinem Besitz?

So 200-300 Stück. Da ist noch Luft nach oben.