BEST OF BOTH WORLDS

Best of both worlds

Aufn Korn mit… Luis Hidalgo

Lieblingsgericht: Braten
Lieblingsdrink: Rum-Cola
Lieblingsort: Zalamea de la Serena (Geburtsort)
Lieblings-Event: Spiele von Real Madrid, Maiwoche
Lieblings-Urlaubsziel: Mallorca
Lieblingshobby: Fußball
Größte Macke: Unpünktlichkeit
Persönlicher Glücklichmacher: meine Kinder

Mi casa es su casa – es gibt wohl kein Sprichwort, das die Gastfreundlichkeit von Luis Benito Hidalgo Martinez besser beschreibt. Sein Name hört sich so klangvoll an wie die spanischen Gerichte auf seinen Karten im El Hidalgo und Don Luis. Eine Bestandsaufnahme nach knapp elf Jahren Selbstständigkeit.
„Ich bin nicht als Gastronom geboren“, sagt der gelernte Bürokaufmann, der zuvor zehn Jahre in der EDV eines Autoteilezulieferers gearbeitet hat. Dort wurde ihm aufgrund einer Insolvenz gekündigt; der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können, da er gerade ein Haus baute. Aus der Not heraus machte er sich mit dem El Hidalgo an der Nobbenburger Straße selbstständig. Tschau Büro, tschau EDV, tschau Angestelltenverhältnis, tschau 9 to 5 – Hallo 15 Stunden-Tage, Küche, Service, Putzen und Großmarkt. Vor allem die ersten Jahre waren intensiv, heute blickt er jedoch gelassen auf diese Zeit zurück. „Man sagt ja auch: Vom Tellerwäscher zum Millionär – Tellerwäscher war ich auf jeden Fall schon“, lacht der Quereinsteiger. Seine Tapas bereitete bereits damals Köchin Carmen de la Fuente zu, die in diesem Jahr mit 65 Jahren in Rente geht. Die spanische Esskultur ist etwas, wovon wir uns hier dringend etwas abschauen sollten, da ist sich der Gastronom sicher: „In Spanien ist Essen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern hat was mit Geselligkeit, Kommunikation und Austausch zu tun – das sind Tapas.“

Er ist kein Spanier, kein Deutscher, er ist Osnabrücker

Auch, wenn sein Lieblingsgericht Schweinebraten ist, so versteht er die Gepflogenheiten deutscher Küche nicht immer: „Im Zuge des Ausbilderscheins stolperte ich über das Wort Sättigungsbeilage. Das ist ein Unwort! Wenn mir Fleisch am besten schmeckt, warum kann ich mich damit nicht satt essen, sondern brauche Kartoffeln?“ Dieses Konzept ohne klassische Sättigungsbeilagen traf einen Nerv. Heute ist er sich sicher, dass er „aus Versehen“ ganz viel richtig gemacht hat. Den Quereinstieg merkte man ihm zu Beginn seiner Gastro-Laufbahn natürlich an, was aber seinen Charme gehabt habe und einfach ehrlich war bzw. immer noch sei. Das lehrte ihn außerdem, Menschen nicht nach ihren Kompetenzen sondern ihrer Sympathie einzustellen. „Ich hatte mal einen Mitarbeiter, der konnte – böse gesagt – nicht geradeaus laufen oder gar ein Tablett halten. Nach einem halben Jahr war das mein bester Mann. 80% der Dinge entscheide ich über Bauchgefühl.“ 2016 eröffnete er – ebenso aus Bauchgefühl – im ehemaligen „Lotus Palast“ am Bahnhof seinen zweiten Standort mit dem Don Luis und erfüllte sich den Traum von Außengastronomie. Die findigen Leser werden es bemerkt haben: „Mein Logo ist mein Gesicht und beide Läden tragen jeweils meinen Vor- und Nachnamen. Das bin ich. Mit meinem Kopf und meinem Namen stehe ich für diese Läden.“ Er sei in die Gastronomie reingewachsen. Am meisten liebt er an diesem Job, dass große Freundschaften, auch fürs Leben, entstehen. Bis heute hat er Stammgäste, die mitunter drei bis vier Mal wöchentlich zu ihm kommen. Luis Hidalgo mag es familiär und freundschaftlich – ein Gut seiner spanischen Wurzeln. Nichtsdestotrotz sei er in Spanien der Deutsche und in Deutschland der Spanier. Wenn er gefragt wird, welcher Nationalität er sich zuordnet, sagt er: „Ich bin Osnabrücker.“ Ein Statement, das von Herzen kommt. Verteufeln möchte er nichts, abgesehen von der zunehmenden Bürokratie und allgegenwärtiger Schnelllebigkeit: „Wir hatten beispielsweise die Situation, dass ein Gast innerhalb von 18 Minuten zwei Mal nach seinem Tintenfisch fragte, der allein 13 Minuten benötigt, um gar zu werden“, erinnert er sich.

„Ich hasse das Wort Sättigungsbeilage.“

Sein spanischer Sinn für Genuss, gepaart mit deutscher Disziplin, ist offensichtlich eine gute Kombination in der hiesigen Gastro-Landschaft. Stolz ist er rückblickend betrachtet nur bedingt, vielmehr glücklich, wie er betont. „Ich bin noch lange nicht fertig mit dem Konzept hier, bin aber glücklich, dass ich den Osnabrückern etwas gebe, das sie mögen. Außerdem ist es mir wichtig auch anderweitig einiges zu bewegen. Die Hasestraße sollte eine klassische Fußgängerzone und zugleich Kiez werden. So etwas wie das portugiesische Viertel in Hamburg wäre ein Traum für diese Stadt.“ Da sind wir bei ihm und sind gespannt auf alles, was Luis Hidalgo in seiner Wahlheimat noch umsetzen wird. Bis dahin baden wir in seinem berühmten Aioli und genießen sämtliche Vorzüge spanischer Esskultur.