„Habe mich noch nie so sehr auf Fußball gefreut“

Lila-weiß Report mit Ulrich Taffertshofer

Seit 2018 ist ein neuer Sheriff in der Friedensstadt! Ulrich Taffertshofer hat es mit Mentalität und sportlicher Klasse beim VfL schnell zur Führungsfigur geschafft. Besonders in negativen Saisonphasen sind Typen wie Taffertshofer besonders gefragt. Nach dem 2:6-Debakel gegen Wehen-Wiesbaden waren die Zweitliga-Profis um schnelle Wiedergutmachung bemüht. Dann plötzlich der Corona-Shutdown. Im TNI-Talk berichtet der Mittelfeldspieler aus dem Seelenleben eines Leistungssportlers, der auf unbestimmte Zeit keine Mission mehr hat.

TNI: Hallo Uli, die wichtigste Frage vorab: Wie fühlst du dich aktuell und wie war die Stimmung in der Mannschaft nach dem abgesagten Derby gegen Bielefeld?

Ulrich Taffertshofer: Ich persönlich fühle mich topfit und bin es auch. Die Situation nach dem abgesagten Spiel war nicht ganz so prickelnd. Wir waren ja schon angereist, hatten die notwendige Spannung aufgebaut, unser Tageshotel bezogen und uns auf ein Spiel ohne Zuschauer eingestellt. Wenn’s dann ganz abgesagt wird, ist man natürlich zunächst enttäuscht, wobei die Entscheidung an sich absolut verständlich und vernünftig ist.

Ihr wurdet durch die Corona-Bedrohung mitten aus der wichtigsten Saisonphase gerissen. Was macht das generell im Kopf eines Profisportlers?

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Vorausgesetzt ein geregelter Trainingsablauf wäre über Wochen gestoppt: Inwieweit ist es überhaupt möglich sich zuhause so fit zu halten, dass ein plötzlicher Wettkampfwiedereinstieg bedenkenlos möglich wäre?

Das ist eines unserer Probleme: Man weiß nicht, auf welchen Zeitpunkt man hintrainiert. Das macht die Situation nicht einfacher. Ich vertraue aber darauf, dass die Verantwortlichen bei der DFL es so planen, dass es zumindest einen kurzen Vorlauf geben wird. Letztendlich haben aber alle Teams dasselbe Problem.

Freut man sich als Spieler aktuell besonders auf die wenigen Trainingseinheiten?

Ich persönlich hab mich vielleicht noch nie so sehr auf Fußball gefreut wie momentan. In den Einheiten ist auch richtig Zug drin, da kann sich glaub ich niemand beschweren. Im Endeffekt ist es ein Stück Normalität, die uns allen guttut.

Habt ihr das 2:6-Debakel gegen Wehen-Wiesbaden mit etwas Abstand noch einmal aufgearbeitet – oder muss man einen solch schwarzen Tag einfach abhaken?

Nein, nicht im Detail. Das war eigentlich schon mit der Vorbereitung auf Bielefeld abgehakt. Es war zwar unser letztes Spiel, aber fühlt sich schon sehr weit weg an. Es kommen auch wieder bessere Phasen.

Du selbst warst an der Niederlage schuldlos, weil ohne Einsatz in der betreffenden Partie. Kannst du diese Entscheidung im Nachhinein nachvollziehen?

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Dein Spitzname ist, nicht erst seit Osnabrück, Sheriff. Warum eigentlich?

Ich war damals in Unterhaching mit meinem Teamkollegen Josef Welzmüller bei einem Eishockeyspiel des EHC Red Bull München. Da hat der Hallensprecher den Kapitän namens Steve Pinizzotto als „Sheriff“ angekündigt. Der ist für seine harte Gangart bekannt und Josef hat da wohl ein paar Parallelen zu meiner Spielweise erkannt. (lacht)

Du bist jetzt 28 und auf dem vorläufigen Höhepunkt deiner Karriere. Was steht noch auf deiner sportlichen Bucket-List?

Mein Weg in die 2. Bundesliga war lang, insofern bin ich eher Realist als Träumer. Allerdings kennt man das Geschäft natürlich mittlerweile sehr gut und weiß, wie schnell es gehen kann. Ich würde mich nicht dagegen wehren, wenn nochmal die 1. Bundesliga möglich wäre. Aber der Fokus liegt auf dem Hier und Jetzt.

Bekannt ist auch, dass du im Gegensatz zu den meisten anderen Fußballprofis nie eine Playstation besessen hast. Wie verbringst du deine Freizeit zuhause stattdessen?

Das stimmt auf jeden Fall weiterhin. Wir haben zwar früher in der Familie auch mal FIFA und Fußballmanager gespielt, aber dann halt auf dem PC. Ich habe eigentlich immer ein Buch zur Hand, obwohl ich zugeben muss, dass ich selten so diszipliniert bin es auch straight durchzulesen. Aktuell versuche ich mich an dem Roman „Das Café am Rande der Welt“, ein Geburtstagsgeschenk.

Das gesamte Interview findet ihr in unserer aktuellen Online-Ausgabe hier.