Interview mit Klinikum-Chefarzt Dr. Hagen Vorwerk

Was lieben Sie an Ihren Beruf, Herr Dr. Vorwerk?

Der neue Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Klinikum Osnabrück im Interview

THE NEW INSIDER: Herr Dr. Vorwerk, warum haben Sie sich damals für ein Medizinstudium entschieden?

Dr. Hagen Vorwerk: Nach dem Abitur hatte ich zunächst geplant einen naturwissenschaftlichen Studiengang wie ein Ingenieurstudium zu beginnen. Nach meinem dreizehnmonatigen Zivildienst als Rettungssanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Bielefeld hatte ich meine Meinung dann geändert. Zum einen finde ich die physiologischen Prozesse im menschlichen Körper extrem spannend und zum anderen habe ich während meiner Tätigkeit als Rettungssanitäter erfahren, dass mir der Umgang mit Menschen und die Möglichkeit Menschen zu helfen sehr wichtig ist.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie als Verantwortliche in Ihrer neuen Abteilung?

Mir geht es darum, die pneumologische Abteilung weiter aufzubauen um Menschen mit Erkrankungen der Atmungsorgane umfassend versorgen zu können. Schwerpunkte setze ich in der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs und Patienten die von einer Beatmungstherapie  entwöhnt werden müssen.

Was ist das schwierigste an Ihrem Beruf?

Eine große Herausforderung sind sicherlich die schwierigen Rahmenbedingungen in Zeiten von Pflegenotstand, Ärztemangel und knappen Ressourcen im Gesundheitssystem. Aktuell stellt allerdings das neuartige Coronavirus eine besondere Herausforderung dar.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Das schönste an meinem Beruf ist die tägliche positive und wertschätzende  Rückmeldung die mein Team und ich von unseren Patienten erfahren, die wir am Klinikum Osnabrück behandeln.

Warum haben Sie sich für die Pneumologie entschieden?

Die Pneumologie besteht aus den Bereichen der infektiologischen Erkrankungen, der obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD, aber auch den Krebserkrankungen der Atmungsorgane. Es macht mir sehr viel Spaß in diesem vielseitigen Fachgebiet eng mit den anderen Fachdisziplinen am Klinikum Osnabrück zusammenzuarbeiten.

Was war in Ihrer ärztlichen Karriere rückblickend Ihr größter Erfolg?

Es hat mich sehr gefreut, dass wir als Klinik für Pneumologie am Klinikum Osnabrück „selbstständig“ geworden sind. Es ist toll, dass die Ärztekammer Niedersachsen uns als pneumologische Weiterbildungsstätte zugelassen hat und wir am Klinikum Osnabrück jetzt auch Lungenfachärzte vollständig ausbilden dürfen. Der Bedarf an Lungenfachärzten ist hoch und wird sich durch die Altersstruktur der Kollegen die demnächst in den Ruhestand gehen werden noch erhöhen.

Was entgegnen Sie Leuten die sagen die „normale“ Influenza sei mindestens genau so gefährlich wie Covid-19?

Zurzeit behandeln wir auch noch einige Patienten mit Influenza am Klinikum. Welcher Virus gefährlicher ist, kann man nicht pauschal beantworten. Das hängt von der betroffenen Person und deren Vorerkrankungen ab. Der Vorteil bei Influenza ist: Es gibt einen sehr gut funktionierenden Impfstoff.

Wie groß ist die Gefahr, dass Patienten mit anderen Diagnosen aufgrund der anhaltenden Sorge um den neuartigen Virus „vernachlässigt“ werden?

Natürlich kümmern wir uns um alle dringlichen Probleme unverändert weiterhin. So wird zum Beispiel ein Patient mit einem Herzinfarkt und gleichzeitigem Coronavirus selbstverständlich unverzüglich durch die Kollegen der Kardiologie im Herzkatheterlabor behandelt. Planbare Behandlungen und Eingriffe verschieben wir zur Sicherheit unserer Patienten zeitlich zunächst um einige Wochen nach hinten.

Inwiefern hat sich ihr Arbeitsalltag durch den Virus verändert?

Das neuartige Coronavirus und die Betreuung von Patienten mit COVID-19 nimmt Zeit in Anspruch und wir müssen uns als Team täglich an der aktuellen Situation neu ausrichten.

Gibt es Erkenntnisse und wichtige Sachverhalte zu dem Corona-Virus, die in der Öffentlichkeit zu kurz gekommen sind?

Das Coronavirus ist medial omnipräsent und beeinflusst unser aller Leben gerade massiv. Eine Frage, die mir in diesen Tagen oft gestellt wird ist: „Wie ist mit den inhalativen und Cortison-haltigen Medikamenten in der Behandlung von „Asthma bronchiale“ in Zeiten von Corona umzugehen? Lieber absetzen?“ Die Antwort ist: „Führen Sie die inhalative Therapie unverändert fort und setzen Sie Ihre Asthmamedikamente jetzt nicht ab.“

Inwiefern ist das Betretungsverbot des Klinikums so wichtig und was für einen Einfluss wird dieser auf Patienten haben, die im Krankenhaus stationiert sind?

Das Betretungsverbot des Klinikums für Besucher ist extrem wichtig um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Uns ist bewusst, dass es für die Patienten eine schwierige Situation ist, wenn der Besuch nicht kommen darf. Wir müssen in der jetzigen Situation besonders acht geben auf unsere Patienten und die stationären Aufenthalte möglichst kurz halten. Telefonieren und die neuen sozialen Medien sind gute Möglichkeiten aus der Klinik heraus Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten.

Der neue Operationstrakt ist fertig und sollte ursprünglich erst Ende März in Betrieb genommen werden. Wie wichtig ist dieser „glückliche“ Umstand für das Klinikum Osnabrück?

Es ist schon besonderes Glück im Unglück, dass die neu gebaute Intensivstation ab sofort in Betrieb genommen werden kann! Das bietet uns zusätzliche Möglichkeiten in der Behandlung von schwer betroffenen Patienten.