Eisbein und Cote de Boeuf

Metzgermeister Philipp Büning im TNI-Interview

Aus Mandel wird Philipp Büning – diese Nachricht hat in der Friedensstadt für einigen Aufruhr gesorgt. Metzgermeister und Unternehmer Philipp Büning betreibt im westfälischen Münster bereits einige Geschäfte und ist dort mit seinem innovativen Konzept äußerst erfolgreich. Das Motto: „Willst du Beef?“ polarisiert, ist aber vor allem zu 100 Prozent authentisch und ebenso lokal. Welche Innovationen die Osnabrücker erwarten können, erzählt er im TNI-Interview.

THE NEW INSIDER: Die Osnabrücker hat es in der öffentlichen Wahrnehmung sicherlich überrascht, dass der Name „Mandel“ aus dem Stadtbild verschwindet. Wie ist es dazu gekommen?

Philipp Büning: Meine persönliche Verbindung zu Mandel ist relativ einfach: Ich habe dort einst meine Ausbildung absolviert. Seitdem habe ich eigentlich ständig einen sehr engen und guten Kontakt zur Familie gehalten. Die Metzgerei meines Vaters wollte ich nicht übernehmen, da mir der Standort zu ländlich war und es nicht zu meiner Philosophie gepasst hätte. Ich brauchte eine moderne Alternative mit hochwertigen Produkten. Als sich Ralf Mandel dann frühzeitig Gedanken über seinen eigenen Nachfolger gemacht hat, dachte er 2017 sofort an mich. Seine Kinder seien jetzt noch zu jung und es wäre zu schade, ein solch traditionsreiches Unternehmen nicht weiterzuführen.

Was bedeuten Fusion und Namenswechsel konkret für Osnabrück?

Das bekannte Sortiment bleibt bestehen, es kommen jedoch noch mehr Produkte dazu. Alles, was mit Grillen zu tun hat, Special Cuts vom Rind sowie z.B. frische, hausgemachte Fertiggerichte, die wir jüngst entwickelt haben. Ganz wichtig sind uns dabei Authentizität und moderne Markenwahrnehmung  – von unserem Outfit bis zum Kundendialog. Dies hätte nicht funktioniert, wenn wir den traditionsbehafteten Namen „Mandel“ an der Scheibe gelassen hätten. Kurz gesagt: Wir greifen die bewährten Bestseller auf, bringen aber ein Stück von meiner Persönlichkeit mit rein.

Euer Motto „Willst du Beef?“ ist durchaus provokant. Ist es etwas, das mit der traditionellen Stammkundschaft von Mandel schwieriger vereinbar ist? 

Es wird definitiv für Gesprächsstoff sorgen. Einige werden es cool finden, andere werden nicht davon überzeugt sein. Aber: Wir müssen im Marketing auch etwas wagen um aufzufallen, nehmen niemanden etwas weg, haben sämtliche Mandel-Mitarbeiter übernommen und wollen künftig sogar noch einstellen. Kunden, die vorher gesiezt wurden, müssen nicht darauf verzichten. Wer Lust auf ein „Du“ hat, bekommt eins. Ich glaube nicht, dass wir Stammkunden verlieren, denn weder an den Preisen noch an der Qualität wird geschraubt. Wir haben noch Großes vor.

Kannst du Beispiele nennen von bevorstehenden Veränderungen?

Die Produkte, die wir in Osnabrück neu dazu nehmen, gab es hier vorher einfach nicht. Das wird sicher auch ein paar Monate dauern, bis sie von der Kundschaft angenommen und verstanden werden. Wenn man bislang ein Dry Aged Beef bestellen wollte, musste man schon mal zwei Wochen darauf warten, weil das einfach nicht vorgesehen war. In Münster haben wir dafür extra Schulungen für Mitarbeiter durchgeführt und Tastings für Kunden angeboten. Das stelle ich mir vor Osnabrück genauso vor, ist aber natürlich in der aktuellen Zeit kaum möglich. Es wird weiterhin Eisbein geben, aber auch Cote de Boeuf, was vielen zunächst nichts sagt.

Wohin soll die Reise langfristig gehen?

Ich möchte ein Unternehmen führen, dass coole Produkte und Innovationen vereint, Mitarbeiter fördert und als Menschen wertschätzt. Das bringt so ziemlich alles auf den Punkt. Wir gehen keine Fusion ein um Kosten einzusparen, sondern um gemeinsam ein sehr starker und zukunftsorientierter Arbeitgeber zu sein.