Aufn Korn mit Henrik Schrage

Chaotisch, aber mit System

Im Volksmund kennen wir „sehr angenehme Zeitgenossen“ – müsste man diese Umschreibung personifizieren, so würden wir Henrik Schrage als ihren Vertreter wählen. Oft erlebt man Gastronomen mit viel bis zu viel Feuer unter’m Hintern, ihn kann man jedoch überhaupt nicht in diese typische Berufsgruppen-Schublade stecken. Warum er dennoch einer der kompetentesten seiner Art ist, haben wir im Gespräch mit ihm feststellen dürfen. Das würde er allerdings nie von sich selbst behaupten. Deswegen tun wir das jetzt.

Zu vielen Restaurants und Kneipen findet man online häufig etwas zu der Entstehungsgeschichte. Vielen kann man ihren Wirt, ihr Gesicht direkt zuordnen. Dies dürfte einigen Besuchern des bottled an der Osterberger Reihe eher schwerfallen. Keine Historie, keine Mythen, kein omnipräsentes Gesicht. Das passt einfach nicht zu Henrik Schrage, den wir als sehr diplomatischen und ruhigen Typen erleben. Die Gastronomie wurde ihm vermutlich durch seinen Vater in die Wiege gelegt, der sehr viele Locations, wie den ehemaligen Stiefel, in unserer Stadt mit Gastro-Konzepten bespielte. Bis heute führt er die Grüne Gans mit den berühmten Pfeffersteaks. Henrik hat eine Ausbildung zum Koch gemacht und wollte dann die Wirtschaftsfachschule für Hotellerie- und Gaststättenwesen in Dortmund besuchen – die Selbstständigkeit peilte er schon immer an. Seine Einschreibung an der WIHOGA schmiss er dann jedoch für das Objekt an der Osterberger Reihe hin. Im Jahr 2004 fing er dort an, Getränke über Trichter in Blanco Flaschen abzufüllen – daher der Name bottled und nicht wie die meisten vermuten aufgrund der großen Auswahl an Flaschengetränken. Hat zu lange gedauert, erwies sich nicht als effizient oder wirtschaftlich.

Mit guten Produkten und Verpeiltheit zum Erfolg

Seit nunmehr 16 Jahren hält sich das Café direkt am Koggestrand mit traumhaftem Außenbereich, um den ja im letzten Jahr noch gekämpft wurde, mit einem bunten Sammelsurium aus…ja, woraus eigentlich?
„Wir stehen ja vor der Herausforderung, dass wir breitschichtig abdecken müssen. Wir haben Frühstück, Office Luncher, Familien mit Kindern, Kaffee und Kuchen, als auch abends Studenten, die Cocktails und anderweitige Getränke möchten. Das Konzept ist also, dass es tagsüber ansprechend sein und sich als Café darstellen lassen, als auch abends kneipig und gemütlich sein. Daher unsere Multi-Kulti-Auswahl“, erklärt Schrage. Ihm fiele es schwer, sich festzulegen. Der Touch Tex-Mex, der sich in der Speisekarte, als auch im Laden-Design wiederfindet, gefällt ihm einfach; eine klare Richtung verfolgt er dabei jedoch nicht.

„Es fällt mir schwer, mich auf eine Richtung einzuschießen“

Passt halt. Auf seiner Reise ohne genaue Fahrtrichtung, mit stetigen Kurswechseln und keinem genauen Plan, begleiten ihn jedoch gerne viele Menschen. Das breitfächrige und nicht immer konsistente Angebot des bottled kommt an – so gut, dass man bei gutem Wetter oft keinen Tisch draußen bekommt. Die wechselnde Wochenkarte, die Cocktail Happy Hour und das Ambiente sind bei Jung und Alt bekannt und beliebt. Von sich selbst sagt Henrik Schrage, dass seine größte Macke die Verpeiltheit sei. Diese ist aber vielleicht genau das Richtige, um in so unbeständigen und schnelllebigen Zeiten ein Geschäft am Laufen zu halten. Dass er sich nicht so recht festlegen kann und hier und da mal was verballert, führt nämlich auch oft zu neuen, kreativen Ideen und Komponenten in seinem Angebot. Und jetzt, wo das bottled – frisch renoviert und neu dekoriert – wieder öffnen darf, freut sich wohl ganz Osnabrück über die Rückkehr des Taco Tuesday. Cheerio und auf viele weitere, nicht ganz so durchstrukturierte Jahre! Denn wie heißt es so schön auf manchen Pinterest-Boards „Ich bin gerade etwas neben der Spur. Ist schön hier.“ – das findet Henrik Schrage sicherlich auch.