Berlin-Urlaub statt Griechenland

Lila-weiß Report mit Maurice Trapp, VfL-Abwehrchef

„Trapp verlängert bis 2024“ – diese Meldung hat die VfL-Fans zuletzt mit am meisten gefreut. Hinter dem lila-weißen Abwehrchef liegt eine Saison voller Hürden, die mit einer langwierigen Rückenverletzung begann. Erst in der Rückrunde konnte der 28-Jährige wieder voll einsteigen, absolvierte dann aber doch noch insgesamt 12 Partien und trug im Saisonfinale entscheidend zum Klassenerhalt bei. Wie Osnabrück schnell zur zweiten Heimat des Berliners wurde und welche Ziele er nun anstrebt, erzählt er im TNI-Talk.

THE NEW INSIDER: Maurice, Hand aufs Herz: Wie groß war die Anspannung vor dem Heimspiel gegen Kiel – und wie groß die Erleichterung danach?

Ein wenig Anspannung ist definitiv bei uns allen abgefallen, keine Frage. Allerdings wurde das Thema öffentlich deutlich größer gemacht als wir es intern gespürt haben. Zum Start der Rückrunde hatten wir eine Phase, in der es nicht besonders lief, haben aber immer die Ruhe bewahrt und an uns geglaubt. Letztendlich standen wir zu keinem Zeitpunkt der Saison auf einem Abstiegsplatz und das ist für einen Aufsteiger definitiv bemerkenswert.

Konntet ihr diesen Erfolg denn trotz Hygieneauflagen einigermaßen zelebrieren?

Gefeiert jetzt nicht direkt, aber nach dem Kiel-Spiel haben wir schon noch länger in der Kabine zusammengesessen und später das eine oder andere Kaltgetränk zu uns genommen. Im Rahmen der Hygieneauflagen natürlich. Aber ohne unsere Fans war es insgesamt ein etwas surreales Szenario – nicht vergleichbar mit dem des Aufstiegs im Jahr zuvor.

Du selbst konntest in dieser Saison verletzungsbedingt lediglich zwölf Spiele bestreiten. Wie bewertest du die Saison rückblickend für dich persönlich?

Da kann man im Grunde ja nur die Rückrunde bewerten. Ich muss sagen, dass ich im Nachhinein vielleicht noch etwas langsamer hätte wiedereinsteigen sollen. Die Belastung war dann doch spürbar und ich musste nach meiner langwierigen Rückenverletzung auch echt aufpassen. Als ich dann wieder voll fit war, hat es sich allerdings super angefühlt. Aber natürlich wünsche ich mir für 2020/21 wieder deutlich mehr Spielzeit.

Gab es nach dem Spiel gegen Dynamo nochmals eine sportliche Aufarbeitung der Saison – oder ging es direkt in den Urlaub?

Wir Spieler haben jetzt erstmal Urlaub, aber unser Trainerteam wird sicher recht zeitnah die richtigen Schlüsse aus dieser Saison ziehen. Es war zuletzt auch aufgrund der Corona-Situation eine sehr besondere, extrem kräftezehrende Spielzeit. Ich denke, die meisten sind froh, jetzt auch mal einen Gang runterschalten zu können. Immer mit der Hoffnung auf eine möglichst normal durchführbare neue Spielzeit.

Wie wirst du die spielfreie Zeit verbringen?

Eigentlich war ein Griechenland-Urlaub geplant, aber der ist längst storniert. Insofern fahre ich zu meiner Familie nach Berlin und lege dort ein paar Tage die Beine hoch, ehe die Vorbereitung auf die neue Saison wieder langsam beginnt.

Trainierst du seit deiner Rückenverletzung nun noch häufiger?

Das kann man sagen, ja. Ich versuche regelmäßig früher zum Training zu kommen, mehr Stabilisationsübungen zu machen und auf die Signale meines Körpers zu hören.

Deine Vertragsverlängerung bis 2024 war frühzeitig und erstaunlich langfristig. Was möchtest du beim VfL noch erreichen?

Ich glaube tatsächlich, dass im Verein sehr großes Potenzial steckt und wir gemeinsam noch einiges erreichen können in dieser Konstellation. Ziel muss es sein, den VfL zu einem etablierten Zweitligisten zu machen. Unter anderem deshalb habe ich meinen Vertrag so langfristig verlängert, denn diesen Weg möchte ich gern mitgestalten.

Es gibt wenig Spieler, die sich in so kurzer Zeit derart in die Herzen der Fans gespielt haben. Wie erklärst du dir das?

Das Aufstiegsjahr hat Mannschaft, Verein und Fans unheimlich zusammengeschweißt. Darauf konnten wir aufbauen und ich bin ein Typ, der sowas auch braucht. Osnabrück ist schnell zu meiner zweiten Heimat geworden und ich bin bereit, hier weiterhin alle meine Stärken einzubringen.

Zuletzt habt ihr euch als Verein und Mannschaft u.a. für die Bewegung #blacklivesmatter stark gemacht. Wie wichtig sind dir derartige Statements?

Es ist eigentlich traurig, dass wir im Jahr 2020 noch immer über Rassismus diskutieren müssen. Aber man muss sich der Realität stellen und für seine Werte einstehen. Wir als Team und Verein versuchen Zeichen zu setzen und unsere Reichweite da sinnvoll zu nutzen. Hoffentlich bewirkt es etwas.