Interview: Brandmeisteranwärterin Piera Beuing

Insider des Monats: Piera Beuing

Brandmeisteranwärterin der Feuerwehr Osnabrück

Name: Piera Beuing
Geburtstag: 19.02.1992
Geburtsort: Greven
Ausbildung: Notfallsanitäterin
Familienstand: verheiratet
Kinder: Keine
Hobbys: Wakeboarding, Laufen, Unterwegs mit Freunden, zusätzlich aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr

    

THE NEW INSIDER: Warum und in welchem Alter hast du dich für die Ausbildung zur Brandmeisteranwärterin entschieden?

Piera Beuing: 2014 habe ich die 3-jährige Ausbildung zur Notfallsanitäterin absolviert und habe währenddessen schon bemerkt, dass die Feuerwehr eine Herausforderung ist, die ich aufnehmen möchte. Zwei Jahre später, mit 27 Jahren, habe ich mich dann in Osnabrück beworben und habe im September 2019 bin ich mit dem Grundausbildungslehrgang begonnen.  

Welche Fähigkeiten sollte man für deinen Beruf mitbringen?

Elementar sind Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Zusätzlich die physische und psychische Belastbarkeit, damit man Einsätze sportlich packt und mental verarbeiten kann. Etwas handwerkliches Geschick gehört auch immer dazu.

Wie umfangreich war das Auswahlverfahren?

Voraussetzung war zunächst, dass ich einen Feuerwehr-dienlichen Beruf mitbringe. Am Anfang stand der Sporttest mit verschiedenen Stationen, den man bestehen musste. Dann wurde unsere Höhenangst geprüft. Ich musste eine 30-Meter lange Leiter hochsteigen, es folgte ein schriftlicher Test, der sich aus medizinischen und allgemeinen Fragen zusammensetzte. Hat man diesen bestanden, geht es in ein persönliches Gespräch und zuletzt wird ein rettungsdienstliches Fallbeispiel besprochen.

Würdest du sagen, dass dein Beruf zugleich auch Berufung ist – oder hattest du ursprünglich einen anderen Karriereplan?

Für mich ist es zweifellos mehr als ein Beruf. Neben meinem Hauptjob bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück bin ich auch in meinem Heimatdorf auch aktives Mitglied in der freiwilligen Feuerwehr. Einen anderen Karriereplan hatte ich nie.

Wie schwer ist es körperlich und psychisch innerhalb kürzester Zeit von null auf hundert zu fahren vor Einsätzen?

Für mich ist jeder Arbeitstag spannend und aufregend. Insofern fällt es mir überhaupt nicht schwer. Ich spüre dann das Adrenalin, spule innerlich das ganze Gelernte ab und versuche es nach bestem Gelingen umzusetzen.

Wie häufig wirst du als angehende Brandmeisterin mit Geschlechter-Klischees konfrontiert?

Bei der Berufsfeuerwehr Osnabrück wurde ich sofort als vollwertiges Teammitglied akzeptiert. Da wurde von Beginn nicht unterschieden. Ich gebe immer 120 Prozent und ich lasse mir nichts Schweres aus der Hand nehmen, da wir ja im Prinzip alle den gleichen Job machen.

Wie fallen die Reaktionen anderer aus, wenn du von deinem Beruf erzählst?

Privat hört man schon ab und an so etwas wie „Frauen können das körperlich gar nicht so leisten wie die Männer“ oder „Kann man da überhaupt mithalten?“ Dennoch bekomme ich auch viel Anerkennung und bin stolz darauf, dass ich definitiv mithalten kann. Ich bereue diese Entscheidung keine Sekunde.

Sind deine Angehörigen häufig in Sorge um deine Gesundheit?

Definitiv. Aus diesem Grund telefoniere ich häufig mit meiner Mama und versichere ihr nach Einsätzen, dass alles in Ordnung ist. Natürlich ist der Beruf mit Gefahr verbunden, insofern ist es umso wichtiger eine gute Ausbildung zu genießen und von den erfahrenen Kollegen und Kolleginnen zu lernen.

Wie vereinbarst du dein Privatleben mit deinem Beruf?

Meine Frau ist im selben Beruf tätig, das passt wirklich super. Wir erzählen uns gegenseitig viel und lernen voneinander.

Welcher war dein bislang aufregendster Arbeitstag, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Definitiv der Großbrand am 20. Juli im Fledder. Das war mein spannendster und längster Arbeitstag.

Du warst unter Atemschutz bei den Löscharbeiten in OS-Fledder (Brand bei Belkola) hautnah dabei. Wie würdest den Einsatz beschreiben?

Bevor wird dort angekommen sind, sind mir tausend Gedanken durch den Kopf geschossen. Vor Ort hat man direkt funktioniert und ich war froh, dass ich einen älteren Kollegen an meiner Seite hatte, der mich super durch diesen Einsatz geführt hat. Ich konnte vieles umsetzen, was ich in der Grundausbildung gelernt habe. In Osnabrück war es das größte Feuer seit 20 Jahren, daher werde ich sicher noch lange daran zurückdenken.

Du warst am 07. Juli auch beim tödlichen Fahrradunfall am Schlosswall tätig. Wie lange hat dich dieser Einsatz noch beschäftigt?

Das war natürlich sehr tragisch. Dennoch ist es bei mir so, dass wenn ich den Dienst verlasse und meine Einsatzkleidung weghänge, versuche nicht mehr daran zu denken. So etwas gehört zu meinem Beruf dazu, aber mit nach Hause nehme ich das zum Glück nicht.