Chefcoach Grote über seine Ziele und Visionen

Chefcoach Grote über seine Ziele und Visionen

Marco Grote tritt kein leichtes Erbe an: Mit Daniel Thioune verließ eine echte lila-weiße Ikone den Verein auf eigenen Wunsch, die ebenso beliebt wie erfolgreich war. Der 47-jährige Bremer unterzeichnete einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022. Zuletzt betreute er die U19-Mannschaft von Werder Bremen in der A-Junioren-Bundesliga, nun steckt er mit den VfL-Profis mitten in der Vorbereitung auf den Saisonstart am 19. September. Im TNI-Talk sprich er über seine neue Herausforderung, die Kaderzusammenstellung und den neuen Co-Trainer Deniz Dogan.

 

THE NEW INSIDER: Herr Grote, zunächst auch von uns nochmal ein herzliches Willkommen in Osnabrück. Haben Sie sich bereits mit der Stadt vertraut machen können?

Marco Grote: Zwangsläufig ja, weil ich irgendwo was essen muss. Ich wohne derzeit noch im Hotel, habe inzwischen aber einen Mietvertrag zum 01.10. unterschrieben. Man kann im Hotel zwar auch was essen, aber ein bisschen Abwechslung tut gut.

Sie hatten aber vorher wahrscheinlich jetzt nicht die große Verbindung zu Osnabrück, oder?

Ich hatte tatsächlich mit einem Osnabrücker zu Werder-Jugendzeiten zusammengespielt und somit die Stadt ein paar Mal besucht. Eine persönliche Verbindung habe ich aber nicht. 

Durch die Corona-Pandemie ist das Transferfenster noch bis zum 05. Oktober geöffnet. Die Saison beginnt allerdings bereits am 19. September. Wie zuversichtlich sind Sie, dass zum Auftakt in Fürth bereits der finale VfL-Kader steht?

Je nachdem, was die Situation erfordert bzw. was der Markt hergibt. Für einen Trainer ist es immer der Wunsch, das Team möglichst früh zu komplettieren. So können Abläufe und Spielinhalte früher verinnerlicht und ausgereift werden. Je später ich einen Spieler dabei habe, umso größer ist die Gewöhnungs- und Aufarbeitungsphase. Ich schließe nicht aus, dass da noch ganz spät etwas passiert. Damit kann und muss ich dann auch eben zurechtkommen.

Bislang lag das Durchschnittsalter des VfL-Kaders bei 26 Jahren. Sie sind als Nachwuchscoach bekannt geworden. Wird der Kader also tendenziell eher jünger?

Das würde ich so pauschal nicht sagen. In der 2. Bundesliga benötigen wir einen ausgewogenen Kader, also natürlich junge Perspektivspieler, aber auch welche im mittleren Alter, die schon etwas erlebt haben. Letztendlich hängt viel damit zusammen welchen Mannschaftsgeist diese entwickeln können. Bisher habe ich den positiven Eindruck, dass die Spieler sehr gut zueinander passen. Wir achten darauf, dass das weiterhin so bleibt.  

Welche Rolle trauen Sie den beiden Youngstern Marc Augé und Hakim Traoré in der kommenden Saison zu?

Schwer zu sagen, dafür ist es noch etwas zu früh. Die Jungs kommen direkt aus der Jugend, was man natürlich merkt. Ich finde, dass im Testspiel gegen Schalke deutlich zu sehen war wo ihr Potential liegt. Alles andere werden wir mit der Zeit gemeinsam rausfinden.

Ihren neuen Co-Trainer Deniz Dogan kennen Sie bereits aus Ihrer gemeinsamen Vergangenheit in Hamburg und Lübeck. Wie würden Sie ihn charakterisieren?

Eine wesentliche Eigenschaft von Deniz ist, dass er ein absoluter Teamplayer ist. Ich kenne „Dogi“ schon sehr lange, er ist mit vielen Menschen kompatibel und wird wunderbar in dieses Team reinpassen. Deniz bringt zudem unterschiedliche Facetten und Erfahrungen mit. Die eines Trainers ebenso wie die eines Spielers, der einen spannenden Werdegang hingelegt hat. Ich denke, dass wir uns in vielen Bereichen ergänzen können.  

Gibt es trotz Corona die Möglichkeit sich der Fanszene vorzustellen?

Kontakt mit den Fans wäre wünschenswert, da der Fußball davon lebt. Die volle Bremer Brücke ist schon ein schöneres Bild als wenn sie leer ist. Bisher hat sich jedoch noch nichts Konkretes ergeben, ich habe allerdings schon mit dem einen oder anderen Fanvertreter sprechen können.

In der vergangenen Saison gab es häufig auch innerhalb eines Spiels Veränderungen der Grundordnung, angepasst an den jeweiligen Gegner und den Spielverlauf. Setzen Sie persönlich eher auf Konstanz oder Variabilität?

Grundsätzlich ist das genau die richtige Vorgangsweise und nicht etwas, das nur Daniel Thioune gemacht hat. Veränderungen sind wichtig, wenn man etwas erreichen möchte. Alle nötigen Entscheidungen sollten dem Spiel dienen sowie den Spielern helfen. Wir werden uns nicht nur auf ein System beschränken. Defensiv sowie Offensiv müssen wir flexibel sein. Anders wird es nicht hinhauen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Jana Lange (Jana fotografiert)