Mrs. Hyde Park im TNI-Interview

Conny Overbeck: Mrs. Hyde Park im TNI-Talk

THE NEW INSIDER: Hallo Conny! Du bist Inhaberin des Hyde Parks und hast als solche in all den Jahren schon einiges erlebt. Eine Pandemie ist aber auch für euch neu. Wie seid ihr bislang durch die Krise gekommen?

Conny Overbeck: Naja, schön ist es nicht. Wir haben um Zahlungsaufschub in einigen Bereichen gebeten, unsere festen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt sowie die Aushilfen auf „null“ gesetzt. Man kriegt ja ein bisschen was vom Staat, aber langfristig wird das nicht reichen. Ich müsste Hartz IV beantragen, wenn das so weitergeht. 

Konntest du dir vorstellen, dass du so lange im Geschäft bleiben würdest, als du 1976 angefangen hast?

Nein auf keinen Fall. Ich war damals in Rüschendorf nur nebenbei in der Gastronomie tätig, um mir etwas Geld dazu zu verdienen. Mein alter Chef hatte dann die Auflage jeden Tag bis auf den Ruhetag die Gaststätte im damaligen Schweizerhaus zu öffnen. Da er das alleine nicht geschafft hätte, übernahm ich werktags die Schicht von 17:00 bis 22:00 Uhr. Wenig später habe ich etwas Geld geerbt, ihm den Schweizerhaus abgekauft und quasi neu aufgelegt. Für Bands gab es damals nicht so viel. Also lief der Betrieb von Anfang an sehr gut und kam immer mehr ins Rollen.

Welches Ereignis hat dich in den mehr als 40 Jahren am meisten geprägt?

Die Unruhen 1983 an der Rheiner Landstraße.

Wie hast du diese damals erlebt?

Ich stand hinter der Theke und habe erst gar nicht verstanden was passiert. Wir wussten zwar, dass es Probleme geben wird, da wir den Hyde Park trotz behördlicher Anordnung nicht schließen wollten. Auf einmal standen dort über 700 Polizisten, die unsere Mitarbeiter verhaftet haben. Es kam zu Schlägereien und Tränengasangriffen. Wenig später riefen die Boulevardblätter an und wollten mit uns sprechen. Fast zwei Wochen war Chaos angesagt.

Was würdest du rückblickend heute anders machen?

Ein bisschen mehr Geschäftsfrau sein und insgesamt kapitalistischer denken.

Inwiefern hast du dich mit den Jahren persönlich verändert?

Natürlich formt einen der Laden. Aber ich kann nicht sagen, ob und wie ich mich verändert habe. Das müsste man jemanden fragen, der mich seitdem kennt und begleitet hat. Ich sehe auch nicht ein, dass ich 68 Jahre alt bin. Gefühlt bin ich noch immer 40. (lacht)

Was vermisst du während der aktuellen Zwangspause am meisten?

Meine ganz normale Routine. Die Einkäufe, Organisation und sogar die Buchführung. Das alles wird momentan nicht mehr gebraucht. Ich stehe morgens auf und habe nichts zu tun. Die Buchhandlungen machen gutes Geld mit mir und mein Garten ist auch froh, dass ich mehr Zeit für ihn habe. Aber auf Dauer wird es langweilig.

Habt ihr seit der Schließung schon Resonanz von Stammgästen bekommen?

Ja, total viel – über Facebook unter anderem, z.B. Bilder von Gästen, die mit „Wir vermissen euch“-Schildern vorm Hyde Park stehen. Leider kann ich nichts an der Situation ändern. 

Inwiefern hat sich die Klientel des Hyde Park über die Jahre verändert?

Meine Mutter sagte damals „Die Jugend hat sich verändert.“ Heute sage ich dasselbe. Dennoch ist die Klientel relativ gleich geblieben. Alle Schichten, alle Generationen, alle Kleidungsstile und Hautfarben. Zu uns kommen keine Besucher, die sich drei Stunden vorher fertig machen. 

Wie würdest du eure Philosophie in drei Worten beschreiben?

Peace, Love and Rock ‘n‘ Roll.

Gibt es für euch einen Plan B?

Wir wollen so lange durchhalten, bis wir wieder aufmachen dürfen. Zur Not müssen wir die Preise erhöhen und jeder zahlt 500 Euro Eintritt (lacht). Spaß beiseite, wir haben schon einen 1 1/2-Jahresplan, der unsere Ausgaben und Einnahmen so weit eingrenzt, damit wir aus Krisen möglichst unbeschadet rauskommen. Kopf hoch und einfach weiter machen. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig.

Wie lange möchtest du persönlich noch in diesem Geschäft arbeiten?

Mein Pachtvertrag läuft noch acht Jahre – bis dahin bleibe ich dem Hyde Park sicher erhalten.

Gibt es Dinge, die du innerhalb dieser Corona-Phase machen konntest, die sonst immer liegen geblieben sind?

Wir haben einige Dinge repariert, u.a. das durch Vandalismus entstandene Loch in unserer Wand oder die Scheinwerfer gesäubert. Im Keller hatten wir Wasser stehen, das ist jetzt auch beseitigt. Groß umbauen oder verändern wollen wir aber nichts.

Welchen Act möchtest du in deinem Leben noch einmal auf der Hyde Park-Bühne sehen?

Eric Burdon würde ich gerne noch einmal erleben.