Aufn Korn mit Burkhard Wischer

Besser als Tinder

Die Straßen am Pottgraben sind grau – umso bunter geht es im dort ansässigen Confusion zu. In diesem Monat betreibt Burkhard den Open Gay Pub seit 10 Jahren und es ist noch kein Ende in Sicht. Ein Treff für die Schwulenszene war der Standort schon immer – das bedeutet allerdings nicht immer kompromisslose Toleranz, wie uns der Wirt im TNI-Talk verriet.

„I HATE EVERYONE“ prangt in großen Lettern über einem Regenbogen auf dem T-Shirt von Burkhard Wischer als wir ins Confusion kommen. Es ist Montagmittag, eigentlich sein Ruhetag, das Confusion in logischer Konsequenz leer und lediglich vom Geräusch der Klimaanlage beschallt. Wir haben noch keine drei Sätze gewechselt, da ist schon klar: Dieser Mann setzt gerne Statements. Doch dazu später mehr. Früher ging man bei der Hausnummer 27 zu „Bei Theo“, später ins „Mecs“. Zu dieser Zeit betrieb der frühere Fernschreibgeräte-Mechaniker Gaststätten im Landkreis. Zum einen den „Bahnhof Michel“ in Bohmte, eine irisch-schottische Folklore Kneipe, parallel dazu das „Miet mich“, ebenfalls in Bohmte. Allein dieser eher zufällig entstandene Werdegang vom Elektroniker zum Gastronom war recht unkonventionell. Gleichzeitig war Burkhard Wischer häufiger Gast in seinem jetzigen Pub und wurde innerhalb von vier Jahren nacheinander von den zwei vorherigen Betreibern angesprochen, ob er die Kneipe nicht übernehmen wolle – gesagt, getan. Eines war ihm dabei aber besonders wichtig: Das Confusion soll eine Anlaufstelle für alle sein, nicht ausschließlich für Homosexuelle. Kein großes Ding, möchte man meinen. Anfangs kam deshalb allerdings eine Menge Gegenwind auf: „Ein Gast kam auf mich zu und meinte: ‚Lass dir den Laden nicht von den Heteros versauen‘“ Das sei für ihn eine Unverschämtheit gewesen.

Denn: Wer Toleranz einfordert, müsse diese auch selbst geben können, so Burkhard. Klare Worte vom Betreiber – und auch sonst macht er keinen Hehl aus seiner linksliberalen, politischen Haltung. Dabei gehe es nicht um parteipolitische Ansichten, sondern überwiegend um das Prinzip „Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu.“

Der Anspruch einer besseren Welt

„Sagen wir’s mal ganz brutal: Ich will auch keine Nazis an der Theke haben. Diese Leute haben argumentativ wirklich nichts zu bieten. Konfrontation muss in einer Kneipe natürlich nicht sein, aber es ist auch wichtig, dass man keinen dummen, braunen Spruch stehen lässt“, betont der Kneipier. Wir haben es ja angeteasert: Dieser Mann setzt gerne Statements. Und das muss man wirklich an ihm mögen. Bei diesen Themen ist Mr. Confusion nicht nur konsequent, sondern auch leidenschaftlich – ansonsten allerdings eher der ruhigere Typ, der oft auch etwas zwischen Psychotherapeut und starke Schulter für seine Gäste am Brett ist. Die LGBTQ+-Szene Osnabrücks ist doch recht überschaubar, weswegen es umso persönlicher in der Community zugeht. „Die schönsten Momente sind eigentlich die, in denen sich Paare bei uns zueinander bekennen und sich gegenseitig finden.“ Wer in anderen Kneipen verzweifelt auf der Suche nach neuen Bekanntschaften ist, wird neidisch aufs Confusion blicken – die Trefferquote liegt vermutlich höher als bei Tinder. Also geht mal wieder raus, Leute. Lernt Menschen im echten Leben und nicht über einen Bildschirm kennen. (Aber tragt dabei doch weiterhin bitte eine Maske.) Schaut euch ein wenig Offenheit im Confusion ab – hier wird bunte Vielfalt gelebt. Ganz ohne Verhaltenskodex, Vorurteile oder Zwänge. Wer also heterosexuell ist und noch nicht da war: Es ist wirklich besser, als ihr es euch vorstellen könnt. Dienstags vielleicht mal ein Doppelkopf-Abend, donnerstags eine offene Knobelrunde oder mal wieder eine fette Karaoke-Party? Das alles hat sich seit mittlerweile zehn Jahren bewährt. Wir lieben vor allem die Message hinter dem Confusion und seinem Wirt: Seid offen. Seid ihr. Seid authentisch. Seid wahrhaftig. Seid respektvoll. Würde das überall so gelebt, lebten wir vermutlich in einer besseren Welt. Übrigens: Vor einigen Jahren gründete Burkhard die Facebook-Gruppe „Was ist los in Osnabrück“, um ein lokales Forum zur Veröffentlichung von Events und allem, was Osnabrücker interessieren könnte zu schaffen – schaut doch mal vorbei!