Nachtbürgermeister gesucht!

„Kein 9-to-5-Job“
Alexander Illenseer (Marketing OS) im TNI-Gespräch

In September hat der Stadtrat beschlossen, dass Osnabrück einen sogenannten Nachtbürgermeister bekommt. Seine Aufgaben werden u.a. sein, zwischen Gastronomen, Veranstaltern, Kulturschaffenden, Anwohnern, Politik und Verwaltung zu vermitteln. Welches Profil ein Nachtbürgermeister mitbringen sollte und welche Probleme auf seiner Agenda stehen, verrät uns Marketing Osnabrück-Prokurist Alexander Illenseer.

THE NEW INSIDER: Herr Illenseer, Osnabrück bekommt den dritten Nachtbürgermeister Deutschlands – warum ist der Posten hier so wichtig?

Es wäre sogar noch besser gewesen, wenn wir ihn schon eher gehabt hätten. Aber auch in Zukunft bleibt es wichtig, dass die Gastro- und Clubszene neben uns eine neue Schnittstelle und einen festen Ansprechpartner hat, weil es vielen aufgrund der aktuellen Situation kaum besser gehen wird.

Auf welchem Weg wird der Nachtbürgermeister ausgewählt bzw. gesucht?

Wir werden die Stelle öffentlich ausschreiben und über unsere Homepage sowie die Sozialen Medien teilen. Die Bewerber/innen werden sich dann vor einem Auswahlgremium, bestehend aus Vertretern der Gastronomie und Nachtszene (u.a. WirtuOS), Politik und der Marketing Osnabrück GmbH vorstellen. Diese werden im Vorfeld gebeten ein Konzept abzugeben unter dem Motto „Meine ersten 100 Tage als Nachtbürgermeister“ mit Zielen und Ideen.

Was halten die Osnabrücker Gastronomen und Eventmanager von der Idee des Nachtbürgermeisters, den sie zu einem Drittel mitfinanzieren?

Die Grundstimmung ist trotz Krise weiterhin positiv. Wir hatten zu Beginn des Jahres, also vor Corona, schon Gespräche dazu, in denen wir auch über die finanzielle Beteiligung gesprochen haben. Was mich natürlich sehr freut ist, dass die Gastronomen nun nicht sagen „Wir beteiligen uns doch nicht mehr“, sondern vielmehr, dass eine solche Stelle gerade jetzt wichtiger ist denn je.

Haben sich bereits erste Bewerber bei Ihnen gemeldet?

Es gibt es ein paar Leute, die bereits Interesse signalisiert haben. Jeder kann sich bewerben, daher freuen wir uns auf alle Einsendungen.

Welche Eigenschaften sollte ein Nachtbürgermeister mitbringen?

Kommunikations- und Mediationsfähigkeit, eine hohe Einsatzbereitschaft und persönliches Engagement sind besonders wichtig, weil es eben kein 9-to-5-Job ist. Auch Strukturen, Projektmanagement und Organisation sollten kein Fremdwort sein. Diese Person sollte offen und unbefangen an die Aufgaben rangehen und die Interessen aller berücksichtigen. Entscheidend ist die Liebe zur Stadt, zur Szene, zum Nachtleben. Jemand, der keine Lust hat eine Kneipe zu besuchen, wäre für diese Stelle äußerst ungeeignet.

Welche Aufgaben und Verpflichtungen sieht der Job genau vor?

Die Schaffung eines übergeordneten Verständnisses für die Nachtkultur Osnabrücks, Entlastung der Stadt Osnabrück in der Vermittlung zwischen Gastronomen und Nachbarn oder Behörden (Stichwort Außengastronomie) und Lobbyarbeit. Es soll mit dem neuen Posten auch eine Verbindung zwischen (Kreativ-)Wirtschaft und Gastro- sowie Nachtszene geschaffen werden. Wir erhoffen uns vom Nachtbürgermeister, dass er kreative Projekte und Veranstaltungen initiiert und unkompliziert sowie unbürokratisch für alle erreichbar ist.

Inwiefern ist das Aufgabenfeld durch die Corona-Krise zwangsläufig erweitert worden?

Themen wie Überbrückungshilfen, Insolvenzen und ähnliches werden weiterhin im Fokus bleiben. Natürlich kann ein Nachtbürgermeister keine Unternehmensberatung leisten, dennoch kann dieser Wege aufzeigen wo Beratung möglich ist.

Welche Probleme bzw. Unstimmigkeiten sollten in Osnabrück durch den neuen Nachtbürgermeister verstärkt thematisiert werden?

Besonders das Verständnis für Nachtkultur muss gestärkt und verstanden werden. Darüber hinaus soll den Gastronomen und Clubbesitzern in verwaltungstechnischen Fragestellungen und Problemen zur Seite gestanden werden.

Befürchten Sie in den kommenden Monaten noch eine Pleitewelle in der hiesigen Gastronomie?

Gastronomen neigen nicht dazu zu jammern, sondern suchen eher nach Möglichkeiten. Ich gehe dennoch davon aus, dass die eine oder andere Einrichtung diese Phase nicht überleben wird. Insbesondere, weil wir nicht wissen, was in den nächsten Monat auf uns zukommt.