Varusschlacht goes Netflix

Varusschlacht goes Netflix

Blut, Liebesgeschichten und nordische Mythen: Netflix erzählt in „Barbaren“ die Geschichte des Cheruskerfürsten Arminius und seinen Triumph über die Römer. Schauplatz der sechsteiligen Serie, die zwischenzeitlich auf Platz 1 der Netflix-Charts stand, ist die berühmte Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus im Teutoburger Wald bei Bramsche-Kalkriese, die zu einem prägenden Ereignis in der Geschichte Europas wird.

Schon länger ist das Verhältnis zwischen den germanischen Stämmen und den Römern angespannt. Immer wieder rücken die schwer bewaffneten Legionen an, um die als Barbaren beschimpften Einheimischen zu unterdrücken. Doch als Statthalter Varus (Gaetano Aronica) beginnt, enorme Tributzahlungen einzufordern, formiert sich Widerstand. Vor allem die cheruskische Fürstentochter Thusnelda (Jeanne Goursaud) und der einfache Krieger Folkwin (David Schütter), die schon seit Längerem ein Paar sind, wollen dem Treiben nicht tatenlos zusehen. Daraufhin schickt Varus seinen Ziehsohn, den jungen Offizier Arminius (Laurence Rupp) los, um Rache auszuüben, den selbst eine lange Geschichte mit den Germanen verbindet.

Blutig, dramatisch, stark inszeniert

Als historische Abenteuerserie ist es fast schon unmöglich, bestimmte Klischees zu vermeiden. Auch „Barbaren” stellt da keine Ausnahme dar: Männer mit imposanten Rauschebärten grunzen und grölen Kriegsparolen in die Nacht hinein, massive Schwerter und Äxte sowie Kampfschreie am Fließband folgen. Auch Actionfans kommen bei den blutigen, teils dramatischen Schlachten auf ihre Kosten. Wer „Vikings“ liebt und noch immer dem Ende der Serie hinterher trauert, wird bei „Barbaren“ auf seine Kosten kommen. Die Netflix-Produktion sieht gut aus, ist professionell produziert und liefert ein wenig Geschichtsstunde, bei der man allerdings nicht allzu genau auf die Details achten sollte. Denn die sechsteilige Serie erzählt die Sicht der Germanen, die bis heute eher lückenhaft bekannt ist. Dennoch: Die Darstellerauswahl ist unserer Meinung nach gut gelungen: Man ist jedenfalls froh, dass nicht etwa Matthias Schweighöfer den Arminius spielt. Etwas gestört hat doch die eher emotionslose, ja fast theaterähnliche deutsche Sprache, die teils durch fieses Nuscheln von Schauspieler David Schütter nur schwer verständlich war. Das Latein ist dennoch sehr glaubwürdig sowie melodisch und die italienischen Schauspieler schaffen es, der „toten“ Schriftsprache unerwartetes Leben einzuhauchen.

Support aus Bramsche-Kalkriese

Auch Marketingreferentin Frauke Hein vom Museum und Park Kalkriese hat die Serie gesehen und ist grundsätzlich zufrieden mit der Umsetzung: „Sie ist zwar sehr blutrünstig und an manchen Stellen sicherlich etwas übertrieben, auch an der Geschichte wurde etwas gedreht, aber grundsätzlich sind wir durchaus angetan. Es ist zum Beispiel nicht belegt, dass Arminius tatsächlich der Ziehsohn von Varus war – oder ob Thusnelda wirklich existiert hat. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es eben eine fiktive Serie ist, die die Zuschauer begeistern soll. Das haben die Macher ganz gut hingekriegt.“ Vor dem Dreh besuchte Kostümbildnerin Esther Walz die Varusschlacht-Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks in Kalkriese und informierte sich über Aussehen und Kleidung von Römer und Germanen. Gedreht wurde die Serie in Ungarn – wer sich das Original-Schlachtfeld samt Arminius-Statue einmal real vor Augen führen möchte, der kann dies natürlich am besten am Originalschauplatz im Varusschlacht-Museum tun und dort ein Stück Geschichte vor der Tür erleben.