Wie schlecht geht es der Wirtschaft in Osnabrück?

Wie schlecht geht es der Wirtschaft in Osnabrück wirklich, Herr Minning?
Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im TNI-Interview

Die Wirtschaftsförderung Osnabrück (WFO) ist der zentrale Partner für Unternehmen und Selbstständige in Osnabrück. Von der Begleitung bei Investitionsprojekten über die Innovationsförderung und Fördermittelberatung bis hin zum Immobilien- und Ansiedlungsservice – die WFO unterstützt und berät unterschiedlichen Unternehmen bei unterschiedlichen Bedürfnissen. Welchen Einfluss die Corona-Pandemie auf die hiesige Wirtschaft verrät uns WFO-Geschäftsführer Ralf Minning.

THE NEW INSIDER: Während der Corona-Krise stand die Wirtschaft in der Region Osnabrück nahezu still. Wie weit reichen die wirtschaftlichen Schäden nach einem Jahr Pandemie?
Ralf Minning: Aufgrund der ausgesetzten Insolvenzantragspflicht fehlen uns zwar fundierte Zahlen, aber die Schäden dürften erheblich sein – insbesondere im stationären Einzelhandel, der Gastronomie und der Veranstaltungswirtschaft. Aber auch in anderen Branchen ist die Lage prekär. Nach Angaben der Creditreform aus Januar lässt sich beobachten, dass sich das Zahlungsverhalten in der Region verschlechtert und sich die Liquiditätssituation der Firmen spürbar anspannt. Gleichzeitig beobachten wir aber auch, dass Unternehmen, die sich schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen konnten, daraus sogar Wachstum generieren konnten. Der Osnabrücker Automobilzulieferer Zender beispielsweise hat seine Produktion umgestellt und liefert nun nicht nur klinische Masken für das Bundesgesundheitsministerium, sondern expandiert dadurch auch.

Inwiefern konnten Unternehmen von den staatlichen Hilfen ihr Überleben sichern?
Vor allem das Kurzarbeitergeld hat sich als sehr wirksames Instrument bewiesen, um nicht nur die Situation in den Unternehmen zu entschärfen, sondern auch, um Arbeitsplätze zu sichern. Problematisch wird es immer dann, wenn der Bund involviert ist. Die langwierigen Verzögerungen bei den November- und Dezemberhilfen, die technischen Unzulänglichkeiten bei den Überbrückungshilfen – das geht auf das Konto des Bundes und zu Lasten der Unternehmer vor Ort.
Es sind allerdings auch beträchtliche Summen nach Osnabrück geflossen. Allein bei den Überbrückungshilfen I und II sind im vergangenen Jahr mehr als 6,3 Millionen Euro nach Osnabrück gegangen, bei den Novemberhilfen waren es rund drei Millionen Euro.

Inwieweit hat die Osnabrücker Start Up-Szene aufgrund der aktuellen Situation gelitten?
Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist zwar im vergangenen Jahr zurückgegangen, aber nicht so stark, wie wir befürchtet hatten. Im ersten Halbjahr waren es nur 8 Prozent weniger. Und das obwohl es aktuell für Startups besonders schwierig ist, Fremdfinanzierung zu sichern. Auch um die Gründerinnen und Gründer in dieser Lage optimal zu unterstützen, haben wir zu Beginn des Jahres eine neue Gründungsberatung bei der WFO etabliert. Außerdem wird schon in den nächsten Monaten der neue Startup Accelerator für die Gesundheitswirtschaft in Osnabrück seine Arbeit aufnehmen. Ein richtungs- und zukunftsweisendes Projekt, das Unternehmerschaft und Verwaltung gemeinsam realisieren und auf das wir als WFO besonders stolz sind.

Welche Unterstützung bieten Sie regionalen Unternehmen? Ist die Anfrage im letzten Jahr gestiegen?
Wir haben gleich zu Beginn der Krise alle verfügbaren Ressourcen in diesem Thema gebündelt und inzwischen mehr als 1.200 Beratungsgespräche geführt. Unser Team hat die Unternehmen durch den Dschungel an Vorschriften und Anträgen gelotst und nicht selten erfolgreich zwischen Wirtschaft und Verwaltung vermittelt. Die Anfragen reichten dabei vom Soloselbstständigen über kleine und mittlere Betriebe bis zu großen Unternehmen. Wir haben zudem unsere Online-Services massiv ausgebaut und Unternehmen zeitnah und proaktiv über neue Fördermittel und –regelungen informiert. Das hohe Tempo wollen wir aufrechterhalten. Für 2021 haben wir uns vorgenommen, das Maximum an Fördergeldern nach Osnabrück zu holen, damit die Stadt so gut wie möglich aus der Krise heraus neu starten kann. Dafür haben wir eigens unser kostenloses Beratungspaket „Unternehmen Perspektive“ entwickelt, das Weg in die Zeit nach Corona ebnen soll.