Einblick in die Fanseele: VfL-Fanbeauftragter W. Nordlohne im Talk

„DIE SEHNSUCHT IST RIESIG“

THE NEW INSIDER: Hallo Werner, ein Blick zunächst in deine eigene Fanseele: Wie sieht es darin aktuell aus?

WERNER NORDLOHNE: Grundsätzlich leidet die Fanseele natürlich ohnehin schon enorm unter der aktuellen Corona-Situation. Da fühlt man sich als Anhänger in gewisser Weise hilflos, weil man eben nicht der berühmte zwölfte Mann sein kann. Darüber hinaus ist die Bremer Brücke ein besonderer sozialer Treffpunkt. Das alles fällt seit mehr als einem Jahr weg und auch unsere Arbeit ist ungewohnt ruhig.

Es wird viel über die historische Heimniederlagenserie gesprochen. Hättest du dir eine solche Negativserie auch bei vollen Rängen vorstellen können?

Schwer zu sagen. Ich persönlich kann mir kaum vorstellen, dass wir eine derartige Negativserie als Fans „zugelassen hätten“. Nicht wenige Spiele waren ja durchaus eng und exakt in derartigen Partien war es bekanntlich immer mal wieder dieser berühmte „Brücken-Roar“, der die letzten Prozente an Leistungsbereitschaft rausgekitzelt hat. Jeder, der auch privat mal vor Zuschauern gespielt hat, kennt das: Sobald die Familie oder die Freunde am Spielfeldrand stehen, gibt man automatisch nochmal mehr Gas – das ist total menschlich.

Die Bremer Brücke ist nun bereits seit mehr als einem Jahr verwaist. Wie erlebst du die Geisterspiele?

Das ist schon gruselig. Für Taktikfans ist es sicher zunächst spannend all die Kommandos laut und deutlich zu hören, die zwischen den Akteuren ausgetauscht werden. Und da wir als Fanbetreuer auch weiterhin bei jedem Heimspiel vor Ort sind, nimmt man automatisch auch den sportlichen Teil mit. Aber gewöhnen kann man sich daran nicht, denn Fußball ohne Fans ist nichts.

Gibt es aktuell überhaupt ein aktives Fanleben?

Eher weniger. Also natürlich stehen wir immer mal wieder mit Einzelpersonen aus der Fanszene in Kontakt und sind an den Spieltagen präsent, wenn kleinere Gruppen sich am Stadion versammeln, um den Mannschaftsbus zu empfangen. Aber all die Rituale rund um Auswärtsfahrten, Fanclubtreffen und Spieltagsroutinen liegen einfach völlig brach. Wir bleiben aber als Anlaufstelle für die Fans so gut es geht präsent.

Vor dem Derby gegen Braunschweig empfingen hunderte Fans den Teambus. Das Spiel ging 0:4 verloren und war der vorläufige Tiefpunkt der Saison. Wieviel Kredit hat das Team aktuell noch?

[… Die Antwort auf diese Frage lest ihr in unserer aktuellen Online-Ausgabe des TNI 05/2021 …]

Die Ticket-Vorverkaufs-Aktion „Endlich wieder“ hat eine große Resonanz erfahren. War diese zuvor seitens des Vereins mit euch abgesprochen?

Ja, das ist eine Initiative, die natürlich eine gewisse Vorfreude aufbauen soll. Und an der Resonanz hat man gesehen, welche gesellschaftliche Bedeutung unsere Brückentage haben. Da geht es eben doch um weitaus mehr als bloß die sportliche Situation. Der VfL verbindet und das Stadionerlebnis ist der Kern des Ganzen. Die Sehnsucht danach ist bei uns allen riesig!

Hast du Sorge, dass Corona eine ganze Fangeneration verhindern könnte und die Begeisterung insgesamt sinkt?

[… Die Antwort auf diese Frage lest ihr in unserer aktuellen Online-Ausgabe des TNI 05/2021 …]

Ein Blick auf die Hochglanz-Fußballwelt: War das Super-League-Aus wirklich ein Sieg der Basis oder trügt der Schein?

Das mit der vorerst gescheiterten Super League sehe ich durchaus skeptisch. Was haben wir Fans denn dadurch gewonnen? Ok, es wurde vielleicht ein Worst-Case-Szenario verhindert. Aber speziell die neueste Reform der Champions League zeigt doch wohin die Reise gehen soll. Bislang sehe ich bloß viele Lippenbekenntnisse und wenig Fortschritt im Sinne des Fußballs.

Vielen Dank für das Gespräch!