News aus dem Klinikum Osnabrück

Start nach Maß
Junger Syrer absolviert Berufsanerkennung und Einarbeitung auf der Stroke Unit

Trotz Corona hat der 28-jährige Toama Toama aus Aleppo in Syrien es in der Pandemie nicht nur geschafft, innerhalb weniger Monate seinen Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger im Klinikum Osnabrück anerkennen zu lassen, sondern er hat gleich noch die Einarbeitung auf der überregionalen Stroke Unit erfolgreich beendet. „Wir haben schon vielfach Menschen bei uns integriert, die neu nach Deutschland gekommen sind und es auch gleich geschafft haben, ihre Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen – aber es ist das erste Mal vorgekommen, dass einer von ihnen direkt auf einer Intermediate Care Einheit sowie auf der Stroke Unit gestartet ist und es dort geschafft hat“, freut sich Pflegedienstleiter Oliver Geers. Und das nächste Ziel hat Toama Toama bereits im Auge: Im Herbst steigt er in die Fachweiterbildung für die Pflege auf Stroke Units ein, die von der Akademie erstmals angeboten wird. Damit gehört er zu den speziell für die Schlaganfallversorgung ausgebildeten Pflegefachkräften.

Flucht vor dem Bürgerkrieg

Der junge Mann arbeitet auf der Station 19.1 der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation des Klinikums, in der hauptsächlich Patienten mit Schlaganfällen versorgt werden. Toama Toama freut sich über den guten Start in Osnabrück. Ihm ist anzumerken, wie froh er darüber ist, dass es im Klinikum so gut läuft. „Ich habe tolle Kollegen und fühle mich sehr wohl in unserem Team“, sagt der junge Mann. Toama Toama hat, wie er berichtet, in Syrien ein Krankenpflegestudium absolviert, bevor er am 9. September 2015 vor dem Bürgerkrieg aus seiner Heimat geflohen ist. „Ich wollte nach Deutschland, weil hier Arbeitskräfte gesucht werden und gute Chancen bestehen.“ Sieben Tage lang sei er unterwegs gewesen, über die Türkei, Griechenland, die Balkanländer und Österreich, bevor er bei uns angekommen ist. „Ich war erst in Flensburg, wo ich meine Sprachkurse absolviert und dann erst in einem Freiwilligen Sozialen Jahr und später noch in einem Praktikum in Krankenhäusern gearbeitet habe. Ich habe aber in Schleswig-Holstein keine Möglichkeit gefunden, meinen Berufsabschluss anerkennen zu lassen – deswegen habe ich auf einen Rat eine Anfrage ans Klinikum gerichtet und dann ging alles ganz schnell.“

Anspruchsvolles Programm

Die Pflegedienstleitung habe sich innerhalb weniger Stunden zurückgemeldet, erinnert sich der junge Mann „Es war ein anspruchsvolles Programm, das Toama Toama absolviert hat, da er gleichzeitig weitere sprachliche Kompetenzen erwerben, sich im Stationsteam einfinden und sich inhaltlich in das Themengebiet einarbeiten musste“, erklärt Sabrina Schwigon, die auch sonst Auszubildende in der Pflege auf der Station anleitet. „Aber wir haben gezielt darauf hingearbeitet, dass er das Pensum schafft und das hat ja trotz aller weiteren Erschwernisse durch die Pandemie auch gut geklappt. Trotz der hohen Arbeitsbelastung auf der Station und der vielen Notfälle habe ich mit Toama kontinuierlich an unserem Einarbeitungskonzept gearbeitet.“ Sabine Brinkmann lobt, wie sich der neue Mitarbeiter ins Team integriert hat. „Er hat sich durch sein freundliches Auftreten gleich von Anfang an sehr gut bei uns eingefunden. Außerdem ist er hochmotiviert und geht so engagiert, hilfsbereit und verantwortungsbewusst mit den Patienten um, dass auch seine Arbeitsleistung gleich auf Anerkennung gestoßen ist.“ Nach Meinung seiner Vorgesetzten hat der junge Mann einen Start nach Maß im Klinikum hingelegt. Etwas schade sei bloß, dass das Team bisher keine Gelegenheit hatte, sich über die Arbeit hinaus kennenzulernen, da wegen der Corona-Maßnahmen viele Aktivitäten im letzten Jahr ausfallen mussten, so wie beispielsweise die jährliche Weihnachtsfeier. Toama Toama gehört jetzt seit mehr als einem Jahr zum Team des Klinikums. Er hat zunächst in einer Übergangswohnung gelebt, die das Krankenhaus für neue Mitarbeiter bereithält. „Mittlerweile habe ich eine eigene Wohnung gefunden, von der aus es nicht weit zum Klinikum ist“, berichtet er. Von Osnabrück hat er noch keine Meinung – mangels Gelegenheit: „Ich gehe viel spazieren und habe mir natürlich die Stadt schon angesehen – aber so richtig kennenlernen konnte ich sie ja noch nicht.“

Foto: Guter Start auf der Station 19.1. (von links oben): Toama Toama, Oliver Geers, Sabrina Schwigon und Sabine Brinkmann. Fotograf: Jens Lintel