News aus dem Klinikum Osnabrück

Herausragend und emotional
Olympiaarzt Dr. Casper Grim im TNI-Talk

Über vier Wochen verbrachte Dr. Casper Grim, Chefarzt für Orthopädie und Sportmedizin am Klinikum Osnabrück, in Tokio und begleitete die deutsche Olympiamannschaft als leitender Orthopäde. Wir haben mit dem 46-Jährigen über Karton-Betten, Überraschungen und über die Hitze in Japan gesprochen.

TNI: Wie sind Sie eigentlich Olympiaarzt geworden?

Priv.-Doz. Dr. C. Grim: Seit 2009 bin ich für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) auf verschiedenen Sportgroßveranstaltungen, wie auch den World Games und den Olympischen Jugendspielen tätig. 2016 wurde ich dann erstmals als leitender Orthopäde für die deutsche Olympiamannschaft angefragt. Bei den olympischen Spielen in Tokio konnten wir nun in der bereits seit Rio etablierten Zusammensetzung des medizinischen Teams wiederum die Betreuung der Athleten sicherstellen.

An welches Ereignis der diesjährigen olympischen Spiele denken Sie am liebsten zurück?

In den vier Wochen vor Ort hat es unzählige Ereignisse und Situationen gegeben an die ich sehr gerne zurückdenke. Das eigentliche Ereignis jedoch sind die Spiele selbst an die ich trotz erschwerter coronabedingter Rahmenbedingungen in guter Erinnerung behalten werde.

Wie viel haben Sie vom sportlichen Event rückblickend tatsächlich mitbekommen?

Vom sportlichen Event selbst haben wir als medizinisches Team tatsächlich sehr viel mitbekommen. Durch die entsprechende Akkreditierung für den medizinischen Bereich haben wir uneingeschränkt Zugang gehabt und konnten unsere Arbeit wie auch bei anderen Olympischen Spielen oder Sportgroßveranstaltungen nahezu uneingeschränkt durchführen. Somit konnten wir dem Sport bei zahlreichen Events in der direkten Betreuungssituation an der Wettkampfstätte beiwohnen.

Welche Disziplin hat Sie am positivsten überrascht?

Die Leistungen der Athleten im Kanuslalom waren für mich besonders herausragend und emotional. Ich durfte die Athleten während ihrer Wettkämpfe betreuen. Viele aus dem Team kenne ich bereits von den Olympischen Spielen in Rio 2016. Nach dem Tod des Kanuslalomtrainers Stefan Henze 2016 hat mich der Gewinn der Goldmedaille von Ricarda Funk (seiner ehemaligen Athletin) ganz besonders gefreut.

Welche Disziplin liegt Ihnen besonders am Herzen?

Der Triathlonwettkampf liegt mir natürlich besonders am Herzen. Der Triathlon ist quasi meine „Heimatsportart“ und auch unterjährig betreue ich die Triathleten der deutschen Mannschaft als leitender Verbandsarzt.

Haben Sie auch etwas von den zahlreichen neuen Disziplinen mitbekommen?

Die Aufmerksamkeit für die neuen olympischen Sportarten Baseball/Softball, Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen war nicht nur in den Medien besonders groß. Bei einigen der genannten „neuen“ Sportarten und Events konnte ich selbst vor Ort die Athleten betreuen und somit einen guten Einblick in den „olympischen Auftritt“ gewinnen.

Sie waren auch bei den olympischen Spielen in Rio de Janeiro dabei – wie haben Sie sich auf die diesjährigen Spiele in Tokio vorbereitet?

Die medizinische Betreuung an sich funktioniert nach dem gleichen „Setup“. Für die Spiele in Tokio waren insbesondere die klimatischen Herausforderungen sehr groß. Hitze und Luftfeuchtigkeit haben den Athleten sehr stark zu schaffen gemacht. Auch von medizinischer Seite aus haben wir uns diesbezüglich bereits weit im Vorfeld hierzu Gedanken gemacht und unterschiedliche Strategien entwickelt in Bezug auf Kühlungsstrategien, Kühlmaterialien, Regenerationsmaßnahmen und eine adäquate Hitzeanpassungen.

Hatten Sie auch die Möglichkeit etwas von der Stadt zu sehen?

Aufgrund der Coronaeinschränkungen gab es keine Möglichkeit etwas von der Stadt zu sehen oder zum Sightseeing. Allerdings waren wir ja auch nicht zum Urlaub dort. Ich kenne Tokio bereits aus vorherigen Japanbesuchen. Tatsächlich war sehr schade, dass sich keine zusätzliche Möglichkeit ergeben hat die eigentliche Stadt näher zu erkunden. Dies bleibt wohl der Postcoronazeit vorbehalten.

Wie haben Sie in den „Karton-Betten“ im olympischen Dorf geschlafen?

Auf den „Karton-Betten“ und den zur Verfügung gestellten Matratzen, die in den Medien ja auch häufig angesprochen wurden, ließ es sich exzellent schlafen. Aus meiner Sicht haben die Veranstalter hier eine sehr gute und nachhaltige Lösung geschaffen. Die Qualität der Betten war ausgezeichnet und das Recycling von über 10.000 Betten im olympischen Dorf lässt sich mit „Karton-Betten“ sicherlich besser umsetzen als mit herkömmlichen Varianten.