News aus dem Klinikum Osnabrück

Im Klinikum Osnabrück werden die Eltern von verstorbenen Kindern künftig noch besser begleitet – ebenso Geschwister und weitere Angehörige. Das Krankenhaus hat Hebamme Stephanie Meyer bei einer Weiterbildung zur Sterbeamme unterstützt und baut nun neue Angebote für betroffene Eltern und weitere Angehörige nach dem Verlust eines Kindes mit ihr auf.

Meyer bietet ihre Hilfe im Klinikum bereits seit einiger Zeit an, wenn Paare vom Tod eines Kindes in der Schwangerschaft betroffen sind oder sich bewusst für das Ende dieser entscheiden. Neu organisiert sie nun regelmäßig kostenlose Gruppenangebote zur Bewältigung von Trauer und zum Umgang mit dem Verlust eines Kindes. Die Treffen richten sich getrennt an Eltern, Großeltern, weitere Angehörige und Freunde sowie an Geschwister verstorbener Kinder. Denn bei Eltern gehe es bei der Bewältigung um andere Fragen als bei Geschwistern, Großeltern oder Freunden. „Großeltern sind beispielsweise nicht nur vom Verlust eines Enkelkindes betroffen, sondern auch davon, dass ihre Kinder oder Schwiegerkinder trauern und es schwer ist, ihnen in einer solchen Situation zu helfen. Auch für Freunde ergeben sich oftmals Herausforderungen – besonders, wenn sie selber Eltern sind.“ Die Treffen finden immer donnerstags im Klinikum statt. Die Gruppe für
Eltern, die Meyer bereits Anfang des Sommers gestartet hat, hat bisher aufgrund der Corona-Pandemie als Waldspaziergang stattgefunden. Für betroffene Großeltern gab es im August das erste Treffen. „Die Spaziergänge sind sehr gut angenommen worden. Seit September läuft das weitere Kursangebot in den Räumlichkeiten des Klinikums“, sagt Meyer. „Daneben beginnen wir so bald wie möglich mit einem Gruppenangebot für die Geschwister der verstorbenen Kinder. Vorerst organisieren wir ihre Begleitung noch individuell auf Nachfrage.“

Die in Borgloh-Eppendorf lebende Hebamme hat ihre Weiterbildung zur zertifizierten Sterbeamme im Juni abgeschlossen. Anknüpfend an diese zweijährige Fortbildung mit zertifizierter Abschlussprüfung erwirbt sie zurzeit noch eine weitere Qualifikation als Traueramme. „Mir ist es wichtig, dass Eltern in einer solchen Situation nicht alleingelassen werden, eine persönliche Ansprechpartnerin vor Ort haben und weitere Unterstützung in ihrem Trauerprozess erfahren“, sagt sie. So habe es sich ergeben, dass die Hebamme sich neben ihrer eigentlichen Arbeit im Kreißsaal besonders auf diesen Einsatzbereich spezialisiert hat. Um ihre Unterstützung zu professionalisieren, sei sie vom Klinikum bei der Weiterbildung unterstützt worden und habe in der Zeit auch bereits frei als Sterbeamme gearbeitet. „Es ist sicherlich eine Besonderheit, wie im Klinikum auf die individuelle Begleitung der Eltern geachtet wird“, so Meyer. „Mir ist nicht bekannt, dass in einer anderen Klinik eine Hebamme gezielt in diesem Feld arbeitet. Ich gehe davon aus, dass das Klinikum als erstes Krankenhaus in Deutschland solch eine Stelle geschaffen hat.“ Im Klinikum begleitet die Hebamme die betroffenen Eltern durch den ganzen Prozess von den Voruntersuchungen über die Geburt und das Abschiednehmen bis zur Bestattung.

„Darunter sind Paare, bei denen das Kind in der Schwangerschaft stirbt und solche Paare, die sich aufgrund von Pränatal-Diagnostik für ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft entscheiden müssen“, erzählt sie. „Wenn sich ein Kind nicht mehr bewegt, das eine Mutter vorher gespürt hat, ist das eine ganz furchtbare Erfahrung.“ Meyer unterstützt die Eltern darüber hinaus auch in
bürokratischen Fragen und bei allen weiteren Themen, die mit dieser schwierigen Lebensphase verbunden sind.