Autor: PJonas

Eisbein und Cote de Boeuf

Metzgermeister Philipp Büning im TNI-Interview

Aus Mandel wird Philipp Büning – diese Nachricht hat in der Friedensstadt für einigen Aufruhr gesorgt. Metzgermeister und Unternehmer Philipp Büning betreibt im westfälischen Münster bereits einige Geschäfte und ist dort mit seinem innovativen Konzept äußerst erfolgreich. Das Motto: „Willst du Beef?“ polarisiert, ist aber vor allem zu 100 Prozent authentisch und ebenso lokal. Welche Innovationen die Osnabrücker erwarten können, erzählt er im TNI-Interview.

THE NEW INSIDER: Die Osnabrücker hat es in der öffentlichen Wahrnehmung sicherlich überrascht, dass der Name „Mandel“ aus dem Stadtbild verschwindet. Wie ist es dazu gekommen?

Philipp Büning: Meine persönliche Verbindung zu Mandel ist relativ einfach: Ich habe dort einst meine Ausbildung absolviert. Seitdem habe ich eigentlich ständig einen sehr engen und guten Kontakt zur Familie gehalten. Die Metzgerei meines Vaters wollte ich nicht übernehmen, da mir der Standort zu ländlich war und es nicht zu meiner Philosophie gepasst hätte. Ich brauchte eine moderne Alternative mit hochwertigen Produkten. Als sich Ralf Mandel dann frühzeitig Gedanken über seinen eigenen Nachfolger gemacht hat, dachte er 2017 sofort an mich. Seine Kinder seien jetzt noch zu jung und es wäre zu schade, ein solch traditionsreiches Unternehmen nicht weiterzuführen.

Was bedeuten Fusion und Namenswechsel konkret für Osnabrück?

Das bekannte Sortiment bleibt bestehen, es kommen jedoch noch mehr Produkte dazu. Alles, was mit Grillen zu tun hat, Special Cuts vom Rind sowie z.B. frische, hausgemachte Fertiggerichte, die wir jüngst entwickelt haben. Ganz wichtig sind uns dabei Authentizität und moderne Markenwahrnehmung  – von unserem Outfit bis zum Kundendialog. Dies hätte nicht funktioniert, wenn wir den traditionsbehafteten Namen „Mandel“ an der Scheibe gelassen hätten. Kurz gesagt: Wir greifen die bewährten Bestseller auf, bringen aber ein Stück von meiner Persönlichkeit mit rein.

Euer Motto „Willst du Beef?“ ist durchaus provokant. Ist es etwas, das mit der traditionellen Stammkundschaft von Mandel schwieriger vereinbar ist? 

Es wird definitiv für Gesprächsstoff sorgen. Einige werden es cool finden, andere werden nicht davon überzeugt sein. Aber: Wir müssen im Marketing auch etwas wagen um aufzufallen, nehmen niemanden etwas weg, haben sämtliche Mandel-Mitarbeiter übernommen und wollen künftig sogar noch einstellen. Kunden, die vorher gesiezt wurden, müssen nicht darauf verzichten. Wer Lust auf ein „Du“ hat, bekommt eins. Ich glaube nicht, dass wir Stammkunden verlieren, denn weder an den Preisen noch an der Qualität wird geschraubt. Wir haben noch Großes vor.

Kannst du Beispiele nennen von bevorstehenden Veränderungen?

Die Produkte, die wir in Osnabrück neu dazu nehmen, gab es hier vorher einfach nicht. Das wird sicher auch ein paar Monate dauern, bis sie von der Kundschaft angenommen und verstanden werden. Wenn man bislang ein Dry Aged Beef bestellen wollte, musste man schon mal zwei Wochen darauf warten, weil das einfach nicht vorgesehen war. In Münster haben wir dafür extra Schulungen für Mitarbeiter durchgeführt und Tastings für Kunden angeboten. Das stelle ich mir vor Osnabrück genauso vor, ist aber natürlich in der aktuellen Zeit kaum möglich. Es wird weiterhin Eisbein geben, aber auch Cote de Boeuf, was vielen zunächst nichts sagt.

Wohin soll die Reise langfristig gehen?

Ich möchte ein Unternehmen führen, dass coole Produkte und Innovationen vereint, Mitarbeiter fördert und als Menschen wertschätzt. Das bringt so ziemlich alles auf den Punkt. Wir gehen keine Fusion ein um Kosten einzusparen, sondern um gemeinsam ein sehr starker und zukunftsorientierter Arbeitgeber zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Gummiband ging weg wie Klopapier“

„Gummiband ging weg wie Klopapier“

Richard Altrup von STOFFtanten im TNI-Interview

Nachdem die Maskenpflicht in ganz Deutschland beschlossen wurde, bildeten sich lange Schlangen vor dem Textilgeschäft an der Lotter Straße in Osnabrück. Im TNI-Online-Interview zieht Richard Altrup von den STOFFtanten ein Zwischenfazit des unverhofften Hypes.  

TNI: Hallo Richard. Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst. Welche Stoffe und Muster sind aktuell die Topseller bei euch?

Richard Altrup: Natürlich haben wir in den letzten Wochen viel reine Baumwolle verkauft. Die Herren greifen eher zu dunklen Farben wie Schwarz, Blau und Dunkelgrau. Seltener auch mal nach Karomustern, die zum Hemd passen. Frauen und Kinder sind da etwas farbenfroher. Von zartgemustert bis knallig mit Blümchen oder Tieren drauf. Faultiere sind gerade der Hit.

Ist es zwischenzeitlich zu Lieferengpässen gekommen?

Wir waren und sind tatsächlich sehr gut aufgestellt. Gerade zu Beginn ging unser Gummiband weg wie Klopapier. Da der betroffene Großhändler jedoch nicht online aktiv ist, kennen diesen nicht so viele, sodass wir von unserer „geheimen Quelle“ problemlos Nachschub bekommen haben.


Worauf sollen Kunden besonders achten, bevor sie euer Geschäft besuchen?

Ideal wäre es, wenn sie sich bereits zu Hause Gedanken machen, den eigenen Stoffverbrauch ausrechnen und möglichst das Muster online aussuchen. Das geht ganz bequem über unsere Homepage. Natürlich beraten wir im Geschäft weiterhin sehr gerne, dennoch wollen auch wir lange Warteschlangen vor der Tür vermeiden, da wir nur drei Personen gleichzeitig in den Laden lassen dürfen. Nachdem hier zwei Wochen lang Ausnahmezustand herrschte, können wir nun sagen, dass sich die Situation etwas normalisiert hat.

Nach welchem Masken-Schnittmuster können sich Kunden richten?

Auf unserer Website steht ein eigenes Muster zum freien Download zur Verfügung. Auch wir waren hinter den Kulissen fleißig und haben Selfmade-Masken genäht, verkauft und sogar 400 Stück einem Ärztehaus zur Verfügung gestellt. In den letzten Wochen mussten wir keinen Kunden mit leeren Händen nach Hause schicken. 

www.stofftanten.de

Ein wahrgewordener Traum

Insider des Monats: Kesselhaus-Küchenchef Randy de Jong

Rund ein Jahr nach der Eröffnung des Kesselhaus wurdest du mit einem Stern bewertet – hast du jemals mit dieser Auszeichnung gerechnet?

Überhaupt nicht. Da das Kesselhaus in Osnabrück noch relativ neu ist und ich ein recht junger Koch bin, habe ich vermutet, dass ich mich noch viel länger beweisen muss. Es ist jetzt mein zwölftes Jahr in der Branche, davon neun in der Sternegastro. Erträumt habe ich mir das schon immer. Dass das jetzt eingetreten ist, ist, wie man in Holland sagt, die „Kirsche auf der Torte“.

Da du zuvor im la vie gearbeitet hast, ist die „Sterne-Luft“ nichts Neues für dich. Ist es schon seit der Eröffnung dein Ziel gewesen selbst Sterne-Koch zu werden?

Nicht in erster Linie. Nach einem dreiviertel Jahr haben ich und unsere Inhaberin Thayarni Garthoff (Anm. d. Red.: Garthoff war zuvor Serviceleiterin im la vie) jedoch festgestellt, dass das Potential definitiv vorhanden ist. Ich bin an meinen Aufgaben gewachsen und wir waren schon von Beginn überzeugt von unserem Restaurant.

Wie haben die Osnabrücker das Restaurant im vergangenen Jahr aufgenommen?

[ … ] 

Inwiefern unterscheidet sich die Stimmung in deiner Küche zu der im ehemaligen la vie?

Unsere Küche ist offen. Jedes Mal, wenn ein Gast zur Toilette geht, kommt er zwangsläufig an uns vorbei. Daher können wir auch nicht übermäßig laut sein, das will ich auch nicht. Im la vie war alles strukturiert und getaktet, das ist auch logisch, wenn bis zu 15 Personen in der Küche stehen. Wir sind hier zu zweit. Meiner Meinung nach bringt es auch nichts laut zu sein oder sich anzuschreien. Das schafft nur eine negative Stimmung. Anders kann man nicht zusammenarbeiten.

Was wird sich nun durch die Auszeichnung ändern?

Im Großen und Ganzen gar nichts. Manche Restaurants erhöhen die Preise, wir nicht.  Wir machen ganz normal weiter wie zuvor. Seit der Auszeichnung haben wir deutlich mehr Reservierungen bekommen.

Was macht aus deiner Sicht Sterneküche generell aus?

Das betrachtet jeder völlig unterschiedlich. Ich beziehe mich hierbei gerne auf ein Zitat des niederländischen 3-Sterne-Kochs Jonnie Boer, der sagte: „Man muss etwas kreieren, das einzigartig ist, und in dem man die Unterschrift des Kochs sieht.“

Woher kommt deine Leidenschaft fürs Kochen?

Ganz ehrlich, das weiß ich nicht. Schon als Dreijähriger habe ich gesagt, dass ich Koch werden möchte. Das alles hier ist für mich ein wahrgewordener Traum.


Wie würdest du die Kesselhaus-Philosophie in drei Worten beschreiben?

Persönlich, locker, innovativ.

Welche Kriterien sind für dich bei der Auswahl deiner Teammitglieder am wichtigsten?

Respekt und Erfahrung. Da wir ein sehr kleines Team sind, muss der persönliche Vibe untereinander stimmen. Gehobene Gastronomie kann man lernen.[ … ]

Deine Gäste bekommen demnach nur das, was dir schmeckt?

Genau. Wenn ich nicht hinter meinen Zutaten und Gerichten stehe, wie kann ich das dann von meinen Gästen erwarten? 

Bei welchem Gericht aus Kindertagen fühlst du dich in die Vergangenheit zurückversetzt?

Vor zwei oder drei Menüs gab es ein vegetarisches Gericht auf meiner Karte, das mich sehr an meine Kindheit erinnert hat: Rosenkohl mit Erdnussoße. In den Niederlanden wird das gekocht, um die Kinder dazu zu bringen Rosenkohl zu essen. (lacht)

Welchen Job hättest du, wenn du kein Koch geworden wärst?

[ … ]

 

Das ganze Interview findet ihr in unserer Online-Ausgabe hier. 

„Habe mich noch nie so sehr auf Fußball gefreut“

Lila-weiß Report mit Ulrich Taffertshofer

Seit 2018 ist ein neuer Sheriff in der Friedensstadt! Ulrich Taffertshofer hat es mit Mentalität und sportlicher Klasse beim VfL schnell zur Führungsfigur geschafft. Besonders in negativen Saisonphasen sind Typen wie Taffertshofer besonders gefragt. Nach dem 2:6-Debakel gegen Wehen-Wiesbaden waren die Zweitliga-Profis um schnelle Wiedergutmachung bemüht. Dann plötzlich der Corona-Shutdown. Im TNI-Talk berichtet der Mittelfeldspieler aus dem Seelenleben eines Leistungssportlers, der auf unbestimmte Zeit keine Mission mehr hat.

TNI: Hallo Uli, die wichtigste Frage vorab: Wie fühlst du dich aktuell und wie war die Stimmung in der Mannschaft nach dem abgesagten Derby gegen Bielefeld?

Ulrich Taffertshofer: Ich persönlich fühle mich topfit und bin es auch. Die Situation nach dem abgesagten Spiel war nicht ganz so prickelnd. Wir waren ja schon angereist, hatten die notwendige Spannung aufgebaut, unser Tageshotel bezogen und uns auf ein Spiel ohne Zuschauer eingestellt. Wenn’s dann ganz abgesagt wird, ist man natürlich zunächst enttäuscht, wobei die Entscheidung an sich absolut verständlich und vernünftig ist.

Ihr wurdet durch die Corona-Bedrohung mitten aus der wichtigsten Saisonphase gerissen. Was macht das generell im Kopf eines Profisportlers?

[ … ]

Vorausgesetzt ein geregelter Trainingsablauf wäre über Wochen gestoppt: Inwieweit ist es überhaupt möglich sich zuhause so fit zu halten, dass ein plötzlicher Wettkampfwiedereinstieg bedenkenlos möglich wäre?

Das ist eines unserer Probleme: Man weiß nicht, auf welchen Zeitpunkt man hintrainiert. Das macht die Situation nicht einfacher. Ich vertraue aber darauf, dass die Verantwortlichen bei der DFL es so planen, dass es zumindest einen kurzen Vorlauf geben wird. Letztendlich haben aber alle Teams dasselbe Problem.

Freut man sich als Spieler aktuell besonders auf die wenigen Trainingseinheiten?

Ich persönlich hab mich vielleicht noch nie so sehr auf Fußball gefreut wie momentan. In den Einheiten ist auch richtig Zug drin, da kann sich glaub ich niemand beschweren. Im Endeffekt ist es ein Stück Normalität, die uns allen guttut.

Habt ihr das 2:6-Debakel gegen Wehen-Wiesbaden mit etwas Abstand noch einmal aufgearbeitet – oder muss man einen solch schwarzen Tag einfach abhaken?

Nein, nicht im Detail. Das war eigentlich schon mit der Vorbereitung auf Bielefeld abgehakt. Es war zwar unser letztes Spiel, aber fühlt sich schon sehr weit weg an. Es kommen auch wieder bessere Phasen.

Du selbst warst an der Niederlage schuldlos, weil ohne Einsatz in der betreffenden Partie. Kannst du diese Entscheidung im Nachhinein nachvollziehen?

[ … ]

Dein Spitzname ist, nicht erst seit Osnabrück, Sheriff. Warum eigentlich?

Ich war damals in Unterhaching mit meinem Teamkollegen Josef Welzmüller bei einem Eishockeyspiel des EHC Red Bull München. Da hat der Hallensprecher den Kapitän namens Steve Pinizzotto als „Sheriff“ angekündigt. Der ist für seine harte Gangart bekannt und Josef hat da wohl ein paar Parallelen zu meiner Spielweise erkannt. (lacht)

Du bist jetzt 28 und auf dem vorläufigen Höhepunkt deiner Karriere. Was steht noch auf deiner sportlichen Bucket-List?

Mein Weg in die 2. Bundesliga war lang, insofern bin ich eher Realist als Träumer. Allerdings kennt man das Geschäft natürlich mittlerweile sehr gut und weiß, wie schnell es gehen kann. Ich würde mich nicht dagegen wehren, wenn nochmal die 1. Bundesliga möglich wäre. Aber der Fokus liegt auf dem Hier und Jetzt.

Bekannt ist auch, dass du im Gegensatz zu den meisten anderen Fußballprofis nie eine Playstation besessen hast. Wie verbringst du deine Freizeit zuhause stattdessen?

Das stimmt auf jeden Fall weiterhin. Wir haben zwar früher in der Familie auch mal FIFA und Fußballmanager gespielt, aber dann halt auf dem PC. Ich habe eigentlich immer ein Buch zur Hand, obwohl ich zugeben muss, dass ich selten so diszipliniert bin es auch straight durchzulesen. Aktuell versuche ich mich an dem Roman „Das Café am Rande der Welt“, ein Geburtstagsgeschenk.

Das gesamte Interview findet ihr in unserer aktuellen Online-Ausgabe hier. 

BEST OF BOTH WORLDS

Best of both worlds

Aufn Korn mit… Luis Hidalgo

Lieblingsgericht: Braten
Lieblingsdrink: Rum-Cola
Lieblingsort: Zalamea de la Serena (Geburtsort)
Lieblings-Event: Spiele von Real Madrid, Maiwoche
Lieblings-Urlaubsziel: Mallorca
Lieblingshobby: Fußball
Größte Macke: Unpünktlichkeit
Persönlicher Glücklichmacher: meine Kinder

Mi casa es su casa – es gibt wohl kein Sprichwort, das die Gastfreundlichkeit von Luis Benito Hidalgo Martinez besser beschreibt. Sein Name hört sich so klangvoll an wie die spanischen Gerichte auf seinen Karten im El Hidalgo und Don Luis. Eine Bestandsaufnahme nach knapp elf Jahren Selbstständigkeit.
„Ich bin nicht als Gastronom geboren“, sagt der gelernte Bürokaufmann, der zuvor zehn Jahre in der EDV eines Autoteilezulieferers gearbeitet hat. Dort wurde ihm aufgrund einer Insolvenz gekündigt; der Zeitpunkt hätte ungünstiger nicht sein können, da er gerade ein Haus baute. Aus der Not heraus machte er sich mit dem El Hidalgo an der Nobbenburger Straße selbstständig. Tschau Büro, tschau EDV, tschau Angestelltenverhältnis, tschau 9 to 5 – Hallo 15 Stunden-Tage, Küche, Service, Putzen und Großmarkt. Vor allem die ersten Jahre waren intensiv, heute blickt er jedoch gelassen auf diese Zeit zurück. „Man sagt ja auch: Vom Tellerwäscher zum Millionär – Tellerwäscher war ich auf jeden Fall schon“, lacht der Quereinsteiger. Seine Tapas bereitete bereits damals Köchin Carmen de la Fuente zu, die in diesem Jahr mit 65 Jahren in Rente geht. Die spanische Esskultur ist etwas, wovon wir uns hier dringend etwas abschauen sollten, da ist sich der Gastronom sicher: „In Spanien ist Essen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern hat was mit Geselligkeit, Kommunikation und Austausch zu tun – das sind Tapas.“

Er ist kein Spanier, kein Deutscher, er ist Osnabrücker

Auch, wenn sein Lieblingsgericht Schweinebraten ist, so versteht er die Gepflogenheiten deutscher Küche nicht immer: „Im Zuge des Ausbilderscheins stolperte ich über das Wort Sättigungsbeilage. Das ist ein Unwort! Wenn mir Fleisch am besten schmeckt, warum kann ich mich damit nicht satt essen, sondern brauche Kartoffeln?“ Dieses Konzept ohne klassische Sättigungsbeilagen traf einen Nerv. Heute ist er sich sicher, dass er „aus Versehen“ ganz viel richtig gemacht hat. Den Quereinstieg merkte man ihm zu Beginn seiner Gastro-Laufbahn natürlich an, was aber seinen Charme gehabt habe und einfach ehrlich war bzw. immer noch sei. Das lehrte ihn außerdem, Menschen nicht nach ihren Kompetenzen sondern ihrer Sympathie einzustellen. „Ich hatte mal einen Mitarbeiter, der konnte – böse gesagt – nicht geradeaus laufen oder gar ein Tablett halten. Nach einem halben Jahr war das mein bester Mann. 80% der Dinge entscheide ich über Bauchgefühl.“ 2016 eröffnete er – ebenso aus Bauchgefühl – im ehemaligen „Lotus Palast“ am Bahnhof seinen zweiten Standort mit dem Don Luis und erfüllte sich den Traum von Außengastronomie. Die findigen Leser werden es bemerkt haben: „Mein Logo ist mein Gesicht und beide Läden tragen jeweils meinen Vor- und Nachnamen. Das bin ich. Mit meinem Kopf und meinem Namen stehe ich für diese Läden.“ Er sei in die Gastronomie reingewachsen. Am meisten liebt er an diesem Job, dass große Freundschaften, auch fürs Leben, entstehen. Bis heute hat er Stammgäste, die mitunter drei bis vier Mal wöchentlich zu ihm kommen. Luis Hidalgo mag es familiär und freundschaftlich – ein Gut seiner spanischen Wurzeln. Nichtsdestotrotz sei er in Spanien der Deutsche und in Deutschland der Spanier. Wenn er gefragt wird, welcher Nationalität er sich zuordnet, sagt er: „Ich bin Osnabrücker.“ Ein Statement, das von Herzen kommt. Verteufeln möchte er nichts, abgesehen von der zunehmenden Bürokratie und allgegenwärtiger Schnelllebigkeit: „Wir hatten beispielsweise die Situation, dass ein Gast innerhalb von 18 Minuten zwei Mal nach seinem Tintenfisch fragte, der allein 13 Minuten benötigt, um gar zu werden“, erinnert er sich.

„Ich hasse das Wort Sättigungsbeilage.“

Sein spanischer Sinn für Genuss, gepaart mit deutscher Disziplin, ist offensichtlich eine gute Kombination in der hiesigen Gastro-Landschaft. Stolz ist er rückblickend betrachtet nur bedingt, vielmehr glücklich, wie er betont. „Ich bin noch lange nicht fertig mit dem Konzept hier, bin aber glücklich, dass ich den Osnabrückern etwas gebe, das sie mögen. Außerdem ist es mir wichtig auch anderweitig einiges zu bewegen. Die Hasestraße sollte eine klassische Fußgängerzone und zugleich Kiez werden. So etwas wie das portugiesische Viertel in Hamburg wäre ein Traum für diese Stadt.“ Da sind wir bei ihm und sind gespannt auf alles, was Luis Hidalgo in seiner Wahlheimat noch umsetzen wird. Bis dahin baden wir in seinem berühmten Aioli und genießen sämtliche Vorzüge spanischer Esskultur.

Interview mit Klinikum-Chefarzt Dr. Hagen Vorwerk

Was lieben Sie an Ihren Beruf, Herr Dr. Vorwerk?

Der neue Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Klinikum Osnabrück im Interview

THE NEW INSIDER: Herr Dr. Vorwerk, warum haben Sie sich damals für ein Medizinstudium entschieden?

Dr. Hagen Vorwerk: Nach dem Abitur hatte ich zunächst geplant einen naturwissenschaftlichen Studiengang wie ein Ingenieurstudium zu beginnen. Nach meinem dreizehnmonatigen Zivildienst als Rettungssanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Bielefeld hatte ich meine Meinung dann geändert. Zum einen finde ich die physiologischen Prozesse im menschlichen Körper extrem spannend und zum anderen habe ich während meiner Tätigkeit als Rettungssanitäter erfahren, dass mir der Umgang mit Menschen und die Möglichkeit Menschen zu helfen sehr wichtig ist.

Welchen Schwerpunkt setzen Sie als Verantwortliche in Ihrer neuen Abteilung?

Mir geht es darum, die pneumologische Abteilung weiter aufzubauen um Menschen mit Erkrankungen der Atmungsorgane umfassend versorgen zu können. Schwerpunkte setze ich in der Behandlung von Patienten mit Lungenkrebs und Patienten die von einer Beatmungstherapie  entwöhnt werden müssen.

Was ist das schwierigste an Ihrem Beruf?

Eine große Herausforderung sind sicherlich die schwierigen Rahmenbedingungen in Zeiten von Pflegenotstand, Ärztemangel und knappen Ressourcen im Gesundheitssystem. Aktuell stellt allerdings das neuartige Coronavirus eine besondere Herausforderung dar.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Das schönste an meinem Beruf ist die tägliche positive und wertschätzende  Rückmeldung die mein Team und ich von unseren Patienten erfahren, die wir am Klinikum Osnabrück behandeln.

Warum haben Sie sich für die Pneumologie entschieden?

Die Pneumologie besteht aus den Bereichen der infektiologischen Erkrankungen, der obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma und COPD, aber auch den Krebserkrankungen der Atmungsorgane. Es macht mir sehr viel Spaß in diesem vielseitigen Fachgebiet eng mit den anderen Fachdisziplinen am Klinikum Osnabrück zusammenzuarbeiten.

Was war in Ihrer ärztlichen Karriere rückblickend Ihr größter Erfolg?

Es hat mich sehr gefreut, dass wir als Klinik für Pneumologie am Klinikum Osnabrück „selbstständig“ geworden sind. Es ist toll, dass die Ärztekammer Niedersachsen uns als pneumologische Weiterbildungsstätte zugelassen hat und wir am Klinikum Osnabrück jetzt auch Lungenfachärzte vollständig ausbilden dürfen. Der Bedarf an Lungenfachärzten ist hoch und wird sich durch die Altersstruktur der Kollegen die demnächst in den Ruhestand gehen werden noch erhöhen.

Was entgegnen Sie Leuten die sagen die „normale“ Influenza sei mindestens genau so gefährlich wie Covid-19?

Zurzeit behandeln wir auch noch einige Patienten mit Influenza am Klinikum. Welcher Virus gefährlicher ist, kann man nicht pauschal beantworten. Das hängt von der betroffenen Person und deren Vorerkrankungen ab. Der Vorteil bei Influenza ist: Es gibt einen sehr gut funktionierenden Impfstoff.

Wie groß ist die Gefahr, dass Patienten mit anderen Diagnosen aufgrund der anhaltenden Sorge um den neuartigen Virus „vernachlässigt“ werden?

Natürlich kümmern wir uns um alle dringlichen Probleme unverändert weiterhin. So wird zum Beispiel ein Patient mit einem Herzinfarkt und gleichzeitigem Coronavirus selbstverständlich unverzüglich durch die Kollegen der Kardiologie im Herzkatheterlabor behandelt. Planbare Behandlungen und Eingriffe verschieben wir zur Sicherheit unserer Patienten zeitlich zunächst um einige Wochen nach hinten.

Inwiefern hat sich ihr Arbeitsalltag durch den Virus verändert?

Das neuartige Coronavirus und die Betreuung von Patienten mit COVID-19 nimmt Zeit in Anspruch und wir müssen uns als Team täglich an der aktuellen Situation neu ausrichten.

Gibt es Erkenntnisse und wichtige Sachverhalte zu dem Corona-Virus, die in der Öffentlichkeit zu kurz gekommen sind?

Das Coronavirus ist medial omnipräsent und beeinflusst unser aller Leben gerade massiv. Eine Frage, die mir in diesen Tagen oft gestellt wird ist: „Wie ist mit den inhalativen und Cortison-haltigen Medikamenten in der Behandlung von „Asthma bronchiale“ in Zeiten von Corona umzugehen? Lieber absetzen?“ Die Antwort ist: „Führen Sie die inhalative Therapie unverändert fort und setzen Sie Ihre Asthmamedikamente jetzt nicht ab.“

Inwiefern ist das Betretungsverbot des Klinikums so wichtig und was für einen Einfluss wird dieser auf Patienten haben, die im Krankenhaus stationiert sind?

Das Betretungsverbot des Klinikums für Besucher ist extrem wichtig um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Uns ist bewusst, dass es für die Patienten eine schwierige Situation ist, wenn der Besuch nicht kommen darf. Wir müssen in der jetzigen Situation besonders acht geben auf unsere Patienten und die stationären Aufenthalte möglichst kurz halten. Telefonieren und die neuen sozialen Medien sind gute Möglichkeiten aus der Klinik heraus Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten.

Der neue Operationstrakt ist fertig und sollte ursprünglich erst Ende März in Betrieb genommen werden. Wie wichtig ist dieser „glückliche“ Umstand für das Klinikum Osnabrück?

Es ist schon besonderes Glück im Unglück, dass die neu gebaute Intensivstation ab sofort in Betrieb genommen werden kann! Das bietet uns zusätzliche Möglichkeiten in der Behandlung von schwer betroffenen Patienten. 

THE NEW INSIDER beantwortet eure Corona-Fragen!

Auch bei uns trudeln einige Fragen zum neuartigen Corona-Virus Covid-19 ein. Einige davon beantworten wir exklusiv auf unserer Website.

Das Q&A wird täglich aktualisiert. Sendet uns weiterhin gerne Fragen, die wir versuchen zu beantworten. 

Können die Spieler des VfL Osnabrück auch auf Kurzarbeit gesetzt werden?

Grundsätzlich ist das auch bei den Spielern unserer Heimmannschaft möglich. Vereine aus der dritten Liga, u.a. der 1. FC Kaiserslautern und Carl-Zeiss Jena haben dies schon getan.

Wie zuverlässig ist der Corona-Schnelltest?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Dr. Daniela Huzly, Bundesvorsitzende des Berufsverbands der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie erklärt dazu: „Aktuell vermarktete Schnelltests suchen nicht nach Erregern, sondern nach Antikörpern. Diese sind bei Virusinfektionen meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Für SARS-CoV-2 liegen noch gar keine gesicherten Erkenntnisse hierzu vor.“ Im Corona-Testzentrum am Osnabrücker Limberg können täglich 40 Personen einen Abstrich abgeben.

Dürfen Kosmetikstudios weiterhin ihre Geschäfte öffnen?

Laut Pressesprecher des Landkreis Osnabrück Burkhard Riepenhoff müssen auch Kosmetikstudios geschlossen bleiben! Riepenhoff: „Unser Ziel ist es doch den Virus aufzuhalten, warum sollte man ein derartiges Studio überhaupt noch aufsuchen?“ Riepenhoff sei sich sicher, dass auch Friseure bald schließen müssen. Das wäre nur eine Frage der Zeit.

Darf man noch Blut spenden?

Laut Mitteilung des DRK-Blutspendedienstes NSTOB dürfen Bürger, die sich gesund und fit fühlen, keine grippalen oder Erkältungs-Symptomen zeigen, kein Corona-Risikogebiet bereist sowie keinen Kontakt mit Infizierten, Erkrankten oder pozentiell Infizierten (sogenannte Kontaktfälle) hatten. Auf wen der letzte Punkt zutrifft, muss vier Wochen warten, bis er prinzipiell wieder spenden darf. Laut der NSTOB gibt es keine Belege, dass der Erreger auch über das Blut übertragbar ist, dennoch ist auch hier äußerste Vorsicht geboten. 

Stand 18.03.2020 , 16:40 Uhr

„Nach diesem Album ist Schluss“

Max Gruber von Drangsal im TNI-Promitalk

In der Pfalz ist „Zores“ ein gängiger Ausdruck: Eine Gruppe Asozialer, ein Streit, die Wut. So hieß das zweite Studioalbum von Max Gruber oder besser gesagt Drangsal, der diesen Begriff zu gut kennt. Die Platte ist drastischer, poppiger, unverschämter geworden – bald können Fans neue Musik vom Ausnahmekünstler erwarten. Am 18. April tritt die Band auf dem Osnabrücker Popsalon-Festival auf. Wir sprachen exklusiv mit einem Musiker, wie ihn dieses Land schon seit … ja, wie lange eigentlich schon? … nicht mehr hatte.

THE NEW INSIDER: Euer letztes Album ist im April 2018 erschienen. Wie weit seid ihr schon mit eurer neuen Platte?

Max Gruber: Ich würde sagen, dass der Kern des Albums steht. Ich bin jetzt an einem Punkt angekommen, an dem ich weiß, welcher Track ist gut, welcher nicht. Wir werden im März das Studio betreten und die finalen Versionen in Stein meißeln. Ich persönlich würde mir wünschen, dass es dieses Jahr schon das erste Lebenszeichen vom neuen Album gibt.

Und wie geht es danach weiter?

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mit Drangsal erstmal drei Alben mache – und dann sehen wir weiter. Ich habe schon ein paar andere, nicht nur musikalische, Projekte im Visier.

Singst du lieber auf Deutsch oder Englisch?

Das hat nichts damit zu tun was ich lieber mache, sondern eher wie es kommt. Ich mag beide Sprachen. Wenn ich Songs schreibe, kommt erst die Musik. Erst dann weiß ich in welcher Sprache ich dazu singe.


Denkst du die Menschen sind bei deutschen Texten kritischer?

Den Eindruck habe ich in der Tat. Mir ist aufgefallen, dass der Fokus bei den Kritiken der zweiten Platte seitens der Fans viel stärker auf den Texten lag. Der „gemeine“ deutsche Zuhörer schaltet bei englischen Texten eher ab und begreift diesen als Teil der Musik. Bei deutschen Texten ist einfach dieses grundsätzliche Sprachverständnis da.

Gibt es einen Song, der dich im Nachhinein richtig nervt?

Ein Song ist für mich im Prinzip erledigt, sobald er rauskommt. Meistens schon vorher. Das einzig Aufregende ist dann die Resonanz der Hörer. Die Zeit zeigt erst, wie gut die Dinge wirklich sind. Ich persönlich bin der Meinung, dass „Harieschaim“ ein fürchterlich schlechtes Album ist. (lacht)

Welches Musikgenre würdest du am liebsten aus der Welt verbannen?

Ich habe immer das Gefühl, dass ich zu viel meiner Zeit damit zugebracht habe, andere Sachen abzuwerten. Musik, die jemandem Freude bereitet, kann an sich nicht schlecht sein. Ich höre zum Beispiel auch gerne alte Songs von Tic Tac Toe, obwohl das nicht mein Genre ist. Das einzige, was mir spontan einfällt, ist Rechts-Rock.

2018 hattest du gemeinsam mit Rapper Casper den Podcast „Mit Verachtung“. Die letzte Folge ist am 11.11.2018 erschienen – warum ist das Projekt eingeschlafen?

Ich weiß es nicht, da müsst ihr am besten ihn fragen. Es gab mal Pläne den Podcast weiterzuführen, es ist auch fast passiert. Wir haben uns nicht gestritten oder so. Vor ein paar Tagen erst waren wir gemeinsam auf einem Slipknot-Konzert. Es hat sich einfach nicht ergeben und wir haben keinen Zeitpunkt gefunden, das Projekt wieder aufzunehmen.

Wie würdest du eure Freundschaft beschreiben?

Casper ist ein extrem fairer, treuer und lustiger Mensch, der immer erst an andere denkt. Er ist stets erpicht anderen Leuten aus ihrer Krise zu helfen. Wirklich selbstlos und verdammt talentiert. Ich will ihn als Menschen in meinem Leben nicht missen und mir ist auch immer wichtig, was er von meiner Musik hält. Er ist einer der wenigen, dem ich Demos vorher zuschicke und um eine ehrliche Resonanz bitte. Wie würde ich die Freundschaft beschreiben? Gut. Fünf Sterne, gerne wieder.

 

 

Was tust du, wenn du eine Schreibblockade hast?

Ich habe das Gefühl, dass dieses schwarze Loch, in das ich vor jedem neuen Album falle, tiefer wird und das Rausklettern immer schwieriger. Dieses Mal hatte ich eine ganz lange Phase in der ich in Selbstmitleid und Selbsthass versunken bin.

Und was machst du dagegen?

Ich habe zwei neue Bands gegründet und mich mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Ich versuche auch immer wieder über meinen eigenen Schatten zu springen und mich aufzuraffen. Es ist eher die Unfähigkeit Dinge fertigzumachen als eine Schreibblockade.

Im April trittst du auf dem Popsalon-Festival in Osnabrück auf. Hast du einen Bezug zu unserer Friedensstadt?

Ich war noch nie in Osnabrück, aber ein Freund von mir hat da gewohnt. Und er hat sie immer Osnabrooklyn genannt. (lacht) Ich freue mich voll, weil ich das Line-Up total gut finde.

Wofür hättest du in deiner Freizeit gerne mehr Zeit?

Oh, ich habe so viel Zeit. (lacht) Ich bin großer Wrestling-Fan. Das ist mein großes Hobby abseits der Musik. Ansonsten lese ich viel und sammele Band-T-Shirts.

Wie viele sind in deinem Besitz?

So 200-300 Stück. Da ist noch Luft nach oben.

Interview im Gefängnis

JVA-Vollzugsbeamtin Sandra Mathiske im Interview

THE NEW INSIDER: Wie bist du im Gefängnis gelandet?

Sandra Mathiske: Früher gab es einen großen grünen Bus, der mit den Häftlingen am Neumarkt immer vom JVA-Parkplatz abgefahren ist. Als Jugendliche war ich dann total neugierig und wollte sehen, was dahinter steckt und so wuchs mein Interesse. Mein bester Freund wusste, dass ich den Job gerne machen würde und hat eine Stellenanzeige in der Zeitung gesehen. Daraufhin habe ich mich hier in der JVA am Kollegienwall beworben.

Kannst du dich an deinen ersten Arbeitstag erinnern?

Ich war natürlich gespannt und aufgeregt. Wer arbeitet hier so, wie sieht ein Tagesablauf aus? Die ganzen Eindrücke waren schon überwältigend. Bis heute habe ich meine Entscheidung nicht bereut.

Macht dein Beruf dir Spaß?

Ja definitiv. Dadurch, dass hier  wechselnde Klientel herrscht, ist immer Abwechslung da. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist auch toll, man kann sich aufeinander verlassen.

  Was sind deine Aufgaben?

Auf der Station bin für den Tagesablauf und die Belange der Gefangenen zuständig. Wenn diese Fragen oder Anliegen haben, können sie immer auf uns zukommen. Darüber hinaus begleite ich Besuchertermine und Treffen mit der Polizei oder dem Rechtsanwalt.

Was ist das schwierigste an deinem Beruf?

Das passende Zusammenspiel zwischen Nähe und Distanz zu den Inhaftierten zu finden.

Wie haben deine Familie und Freunde auf deinen Berufswunsch reagiert?

Natürlich haben viele gefragt „Hast du nicht Angst dort zu arbeiten?“. Ansonsten war die Resonanz sehr positiv. Viele sind neugierig.

 

Einzelzelle, warmes Essen, Fernseher auf dem Zimmer. Findest du, deutsche Häftlinge haben es zu gut?

Nein. Ich weiß, dass der Volksmund so etwas gerne sagt. Viele unterschätzen jedoch wie schwierig es ist den Kontakt zu außen komplett aufzugeben und nicht mehr über sein eigenes Leben entscheiden zu dürfen.

Bei vielen Inhaftierten erlangst du einen Einblick in die Privatsphäre. Wie gehst du mit dieser „Macht“ um?

Sehr verantwortungsbewusst. Es ist ein bisschen wie bei der ärztlichen Schweigepflicht. Neugierigen Verwandten und Freunden erzähle ich von dem einen oder anderen  Erlebnis, ohne aber explizit detaillierte Informationen und Namen zu nennen. 

Gerade aus Film und Fernsehen bekommen wir ein verzerrtes Bild vom Gefängnis: Der Neue bekommt erst einmal eine auf die Nase und merkt schnell wer das Sagen hat. Gibt es solche Situation wirklich?

Ich habe oft eher das Gegenteil mitbekommen. Gerade Jüngeren wird hier unter die Arme gegriffen. „Neulinge“ werden eigentlich ganz gut aufgenommen. Klar gibt es auch Mal Stress unter den Gefangenen. Aber das ist eher die Seltenheit. Stress kommt in den besten Familien vor (lacht).

Behandeln dich die Häftlinge anders, weil du eine Frau bist?

Ja, aber nicht im negativen Sinne. Klar gibt es auch die, die sagen „du bist ‘ne Frau, von dir lass ich mir nichts sagen“. Man merkt aber, dass die Gefangenen mir gegenüber ihr männliches Ego nicht so rauslassen, wie sie es bei meinen Kollegen tun.

Wurdest du von Inhaftierten auch schon mal angemacht?

Ja definitiv, aber das bleibt meist alles im Rahmen. Wenn es zu viel wird, nehmen wir die Gefangenen auch mal zur Seite und machen klar, dass wir kein Interesse haben und bitten derartige Ausdrücke zu unterlassen.

Gibt es Situation in denen du Angst vor den Gefangenen hast?

Man kriegt relativ schnell mit, ob ein Gefangener angespannt ist oder nicht. Das gehört zum Job dazu. Dazu werden wir passend ausgebildet. Dennoch weiß ich, dass jederzeit Kollegen in der Nähe sind – Angst habe ich demnach nicht.

Wurdest du schon einmal bedroht?

Verbal ja, aber eine körperliche Auseinandersetzung hatte ich persönlich noch nicht.

Wie viel Arbeit nimmst du mit nach Hause?

Wenn ein Kollege verletzt wird, beschäftigt mich das zu Hause schon sehr. Aber auch harte Schicksale der Gefangenen nehmen mich mit.

Was war das schlimmste, das Kollegen passiert ist?

Ein Gefangener hat mal eine Zelle in Brand gesetzt, in der zwei Kollegen bei einem erfolgreichen Rettungsversuch eine Rauchvergiftung erlitten haben. In anderen niedersächsischen Anstalten gab es auch männliche Übergriffe auf Frauen. Das kriegt man natürlich alles mit.

Was war das Skurrilste, das du bei Haftraumkontrollen gefunden hast?

Mein persönliches Highlight war eine selbstgebastelte Tätowiermaschine. Gefangene werden aus Langeweile total kreativ und basteln Figuren und ganze Gebäude aus Klopapierrollen Wir finden viele schöne Dinge, wie selbstgemalte Bilder.

Die JVA am Kollegienwall wird in nächster Zukunft abgerissen und neugebaut – wo geht es für dich in der Zwischenzeit hin?

Für mich geht es wahrscheinlich in die Untersuchungshaft für männliche Jugendliche der JVA Vechta. Nach dem Neubau würde ich aber gerne zurückkehren.

Könntest du dir auch vorstellen in einem Frauengefängnis zu arbeiten?

Überhaupt nicht. Das wäre mir zu viel Drama und Zickenkrieg.

Corona-Virus in Osnabrück

Corona-Virus in Osnabrück 

Archivfoto Schlossgarten Open Air.

So gehen die Veranstalter damit um

Geisterspiele in der Bundesliga und abgesagte Konzerte: Viele Großveranstaltungen finden wegen des Coronavirus nicht statt. Das soll die Ausbreitung des neuen Virus eindämmen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gab die Empfehlung ab, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern abzusagen. Einige Bundesländer, darunter auch Niedersachsen, verbieten diese sogar mittlerweile. Wir sprachen mit einigen Veranstaltern der regionalen Event-Landschaft über die vorherrschende Unsicherheit und Krise.

Regelmäßiger Austausch mit den Behörden

Maximilian Dirks von Goldrush Productions, die u.a. den Rosenhof betreuen, teilte in einer offiziellen Pressemitteilung mit, dass man zum Thema Corona in regelmäßigem Austausch mit den zuständigen Behörden stehe. „Nach aktueller Einschätzung und auf Basis der vorliegenden Informationen, besteht derzeit kein Anlass für eine Einschränkung des Konzertbetriebs“, so Dirk. Empfehlungen und Anweisungen der Behörden hinsichtlich der aktuellen Situation, die sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern können, werden von der Veranstaltungsagentur umgesetzt. Alando Palais-Geschäftsführer Frederik Heede wollte sich auf TNI-Anfrage nicht äußern. Der Betrieb in Osnabrücks größter Disco laufe jedoch zunächst uneingeschränkt weiter.  

Verunsicherung bei Veranstaltern

Auch in der Lagerhalle geht es, Stand heute (11.03.), weiter wie bisher. Pressesprecher Tom Heise betont auf TNI-Anfrage, dass sich das gesamte Team der Problematik bewusst sei, jedoch alle Veranstaltungen zunächst ganz normal stattfinden. Bisher habe noch kein Veranstalter abgesagt. Heise: „Gerade unser Gastro-Team ist natürlich gefährdet. In einem Stadtbus fahren jedoch zu Stoßzeiten auch bis zu 80 Gäste mit, bei uns passen 120 rein. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann er wohin geht.“ Der Landkreis Osnabrück sowie die Hochschule und Universität Osnabrück haben derweil all ihre Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern abgesagt. OsnabrückHallen-Geschäftsführer Jan Jansen sagte gegenüber der Neuen OZ, dass der Ticketverkauf rapide eingebrochen sei. Jansen hoffe darauf, dass die Behörden die „höhere Gewalt“ nicht ausrufen und „realistische Anforderungen“ an die Veranstalter stellen. Nur einen Tag später wollte er sich gegenüber unserer Redaktion nicht mehr äußern. Grund sei die zurzeit zu schnell wechselnde Lage, so dass man zum jetzigen Zeitpunkt kein weiteres Statement abgeben wolle. Das Theater Osnabrück kündigte für den 12. März eine offizielle Pressemitteilung an.

Stand 11.03.2020 / 15:00 Uhr