
Insider des Monats: Osnabrücks Uni-Präsidentin im Talk
Insider des Monats:
Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl,
Präsidentin der Universität Osnabrück
THE NEW INSIDER: Frau Prof. Dr. Menzel-Riedl, Sie sind seit 2019 Präsidentin der Universität Osnabrück. Ist so etwas planbar?
Prof. Dr. Susanne Menzel-Riedl: Es ist kein festgelegtes Karriereziel, die Leitung einer Universität zu übernehmen. Ich bin generell ein neugieriger Mensch, der sich gerne in neue Themen einarbeitet. Gestalten zu können, finde ich spannend. Um allerdings wirklich Präsidentin zu werden, muss es zudem eine freie Stelle geben.
Wie sehr fehlen Ihnen die eigenen Vorlesungen?
Natürlich fehlt mir das. Die Arbeit mit den Studierenden war mir sehr wichtig, ebenso wie die Forschung. Aus diesem Grund bin ich Professorin geworden. Aber es war ja eine bewusste Entscheidung, und mit dem, was ich jetzt mache, bin ich sehr glücklich.
Ihre erste Amtszeit endet am 30. September. Senat und Hochschulrat haben sich auf eine Verlängerung bis 2033 festgelegt. Macht Sie das stolz?
Als es hieß, dass die Stelle nicht ausgeschrieben wird, sondern ich direkt, auch ohne erneute Vorstellung im Senat, vorgeschlagen werde, war das ein riesiger Vertrauensbeweis. Ich freue mich noch immer darüber. Persönlich war es für mich die finale Richtungsentscheidung: Gehe ich zurück in Lehre und Forschung, oder mache ich hier weiter? Ich habe mich für Letzteres entschieden, weil man in einem tollen Team viel bewegen kann.
Sie waren bei Amtsantritt mit 43 Jahren die jüngste Präsidentin überhaupt. War das Fluch oder Segen?
Für das Amt habe ich es als Vorteil gesehen. Ich bin mit unverstelltem Blick an die Aufgabe herangegangen und war nicht im Vorfeld schon übervorsichtig. (lacht)
Was macht Osnabrück als Studienort attraktiv?
Unsere Uni bietet die Vorteile einer mittelgroßen Hochschule mit breitem Studienangebot, exzellenter Forschung und trotzdem kurzen Wegen. Auch ist sie nicht so anonym wie in Großstädten – die neuen Studierenden können hier rasch Kontakte knüpfen. Und die Stadt hat sich positiv entwickelt mit einer umfassenden Kultur- und Kneipenszene.
Wenn Sie etwas Generelles ändern könnten in Bezug auf Studium und Universität – was wäre das?
Wir setzen uns seit Langem für mehr Hochschulautonomie ein. Weniger Regulierung, auch wenn es um neue Studiengänge geht, wäre wünschenswert. Wenn ich sehe, was für tolle Ideen Kolleginnen und Kollegen haben, die dann in Genehmigungsprozessen ihre Begeisterung verlieren, macht mich das alles andere als glücklich.
Und für die Studierenden?
Der Umstieg auf Bachelor- und Masterstudiengänge hat eine große Reglementierung mit sich gebracht. Für einige mag dieses „Korsett“ hilfreich sein. Auf der anderen Seite hat es Freiheit genommen. So wie ich studiert habe, konnte ich auch Veranstaltungen außerhalb meines Faches besuchen – dies wäre heute leider so nicht mehr möglich. Ein Studium sollte ja nicht allein eine akademische Ausbildung sein, sondern auch die Gelegenheit, neue Dinge auszuprobieren.