Neumarkt-Investor Bergmann im Exklusiv-Interview
„Ich würde es kein zweites Mal tun“
Neumarkt-Investor Dr. Theodor Bergmann im Exklusiv-Interview
THE NEW INSIDER: Herr Bergmann, viele Osnabrücker rollen inzwischen nur noch die Augen, wenn sie das Wort Neumarkt hören. Jahrzehntelange Debatten, Stillstand, leere Versprechen. Verstehen Sie diese Ermüdung?
THEODOR BERGMANN: Ich halte diese Reaktion sogar für völlig logisch. Die erste Studie zur Neumarkt-Entwicklung ist inzwischen 30 Jahre alt. Sie sah einen Autotunnel vor. Drei Jahrzehnte Diskussion, Blockade, Stillstand hinterlassen Frust, Spott und Wut. Alles andere wäre unehrlich.
Trotzdem sind Sie Teil dieser Geschichte.
Aber ich bin nicht für die derzeitige Situation verantwortlich. Diese Entwicklung ist nicht durch eine Person und schon gar nicht durch mich entstanden, sondern durch wechselnde politische Entscheidungsprozesse. Schuld sind endlose Diskussionen, nicht enden wollende Kompromissversuche, Lobbyismus und der Unwillen, Verantwortung zu übernehmen oder zuzulassen. Das Ergebnis sieht man heute nicht nur am Neumarkt, sondern auch am insgesamt schlechten Zustand der zentralen Innenstadt.
Auch Ihr Neubauprojekt „Zauberwürfel“ am Neumarkt wird in diesem Zusammenhang häufig kritisiert. Als der Plan mit einem Hotelbetreiber zuletzt schieflief, dachten viele: nicht schon wieder.
Es lief insoweit nichts „schief“. Wir haben eine bewusste Entscheidung getroffen. Es gab ein definiertes Rücktrittsrecht im Mietvertrag – und davon haben wir auch angesichts der aktuellen städtebaulichen Situation Gebrauch machen müssen. Das geplante Konzept war rückblickend nicht ausreichend tragfähig für diesen Standort.
Warum nicht?
Es war grundsätzlich nicht schlecht, aber nicht mehr belastbar genug im Hinblick auf das Verhältnis Kosten/Ertrag und die Flächenausnutzung. Wir sprechen dabei u.a. vom sechsten Obergeschoss mit seiner Südausrichtung, ganztägige Sonne, Blick über die gesamte Stadt. Und dann soll dort morgens zwei Stunden lang nur gefrühstückt werden – und danach passiert gar nichts mehr? Das wäre unglücklich gewesen. Jetzt bekommen wir eine Lounge, eine Bar, ein Restaurant und einen Room-Service, also von 06.00 Uhr morgens bis in die Nacht hinein ein Angebot an alle Gäste. Sowohl für diejenigen aus der Stadt und als auch für Übernachtungsgäste.
Sie glauben, es läuft besser in Eigenregie?
Ich denke, dass man in der aktuellen Situation selbst Verantwortung für diesen Ort übernehmen muss. Nicht alles, was wirtschaftlich gerade so funktioniert, ist langfristig sinnvoll. Wir wollen Qualität – keine Beliebigkeit, trotz des aktuellen Zustands des Neumarktes. Die stellen wir her und dann sehen wir weiter. Sich im Hinblick auf die künftigen Nutzungen im Haus am derzeitigen Zustand des Platzes und seines unmittelbaren Umfeldes zu orientieren, konnte nun wirklich kein Ziel sein.
Online konnte man zunächst schon Hotelzimmer für Mitte Februar buchen. Nun ist das nicht mehr möglich. Wann wird denn nun eröffnet?
Derartige Zeitpläne hängen natürlich von vielen Faktoren ab; auch von der Witterung. Das kann man nicht steuern. Vor allem dann nicht, wenn auch noch Bauleistungen im Außenbereich zu vollziehen sind. Im Frühjahr wird das Hotel aber definitiv eröffnet.
Viele halten den Neumarkt für einen Problemort. Zu laut, zu chaotisch, zu kaputt. Warum investieren Sie dort überhaupt noch?
Die Entscheidung, das zu tun, haben bereits meine Eltern getroffen und den seinerzeitigen Entwicklungsstand des Platzes unten wie oben mitentwickelt. Als städtebauliche Veränderungen anstanden, war es also eine notwendige Konsequenz, dann für mich als Nachfolger, daraus etwas Sinnvolles zu machen. Damals war die Entscheidung dann auch kein Problem; das wurde sie erst zu einem späteren Zeitpunkt, als die unterirdische Passage unattraktiv wurde. Grundsätzlich ist eine Investitionsentscheidung für diesen Standort aber auch nicht falsch. Die Innenstadt um den Neumarkt herum hat ja mit H&M, Zara, Fielmann, T-Mobile oder Deichmann, die alle lange, manche um die dreißig Jahre dort geschäftsaktiv sind, auch eine bestimmte Wertigkeit. Der Standort ist einer der am stärksten frequentierten in Nordwestdeutschland. Rund 15,5 Millionen Menschen passieren ihn jährlich – allein durch die Kunden der jeweiligen Busverkehre. Und wir glauben an das, was dort in der Neustadt künftig passieren wird bzw. bereits passiert ist: Die Projektierungen von Stayery/prizeotel, Lindhorst/Aureus, der Coppenrath-Stiftung, der Wohnbebauung im ehemaligen Magnum-Areal, dem Marienhospital und auch die der Stadt am Platz selbst, werden Investitionen von über zwei Milliarden Euro nach sich ziehen. Das ist für Osnabrück einmalig. Wir glauben, dass auf der Achse Helmut-Kohl-Platz – Neuer Graben – Wittekindstraße – Berliner Platz noch einiges passieren wird. Der Schlossgarten und der Ledenhof sind inzwischen neu angelegt worden. Das Stephanswerk investiert gegenüber vom Schloss kräftig; Pro Urban hat bereits das Gesicht der Möserstraße sehr positiv verändert: Es kann insgesamt also nur besser werden.
Das komplette Interview findet ihr auf den Seiten 04-07 im aktuellen Februar-Magazin!
